Abendspaziergang mit Bärgida

Am Montag, dem 13. Juli trafen sich etwa 120 Bärgida-Anhänger (Berliner PEGIDA-Ableger) am Rande des Hauptbahnhofs, um gemeinsam zum 28. Abendspaziergang gegen die Islamisierung des Abendlandes aufzubrechen. Für diesen Aufmarsch hatte sich eine repräsentative Auswahl an Rednern, Flaggenträgern und Publikum aus dem rechten Spektrum zusammengefunden.
Angekündigt war zum Beispiel eine Rede von Michael Stürzenberger aus München. Als Autor der islamkritischen, rechten Online-Plattform Politically Incorrect ist dieser für seine Islamhetze bekannt. Auch der Landesvorsitzende der Berliner NPD, Sebastian Schmidtke sprach auf der Versammlung, sowie der Versammlungsleiter Karl Schmitt.

Gut sichtbar waren die senfgelben Flaggen der neurechten “Identitären Bewegung” aufgestellt. Diese Gruppe stammt ursprünglich aus Frankreich, versteht sich dort als metapolitischer und aktivistischer Arm der Neuen Rechten. Aktuell breitet sich die “Identitäre Bewegung” in vielen europäischen Ländern aus.

Besonders gut zu hören waren die etwa 20 schwarzuniformierten, alkoholisierten Berliner Hooligans vom “Bund deutscher Hooligans”, die der HoGeSa (Hooligans gegen Salafisten) nahestehen. Um die Hools bei Laune zu halten, wurde an der Bühne Freibier ausgeschenkt. Das Freigetränk unterstütze den Trupp der Trinker darin, regelmäßig ihren martialischen Schlachtruf auszustoßen. “Ahu, ahu, ahu!” ertönte immer dann, wenn von der Bühne die Rede auf die Hooligans kam. Und weil die versammelte rechte Gemeinschaft den animalischen Schlachtruf so gerne hört, war die Erwähnung von Hools in den Redebeiträgen recht häufig.

Der NPD-Landesvorsitzende Sebastian Schmidtke lobte “die organisationsübergreifende Bewegung”, die mit den Hooligans in Köln begonnen habe. Und angesichts der stark vertretenen “Identitären Bewegung” faselte Schmidtke im weiteren Verlauf von einer “europäischen Identität”. Dass es hier nicht um deutsche Identität ging, löste kaum Erstaunen aus, vermutlich weil unter den etwa 120 Versammelten ohnehin kaum jemand den Redebeiträgen folgte.

Während des Demonstrationszugs zum Brandenburger Tor kam es mehrfach zu Übergriffen von Teilnehmenden auf begleitende Journalisten die als “Lügenpresse” beschimpft wurden. Ein Video dokumentiert diese Vorfälle. [Bärgida Aufmarsch mit Schmidtke (NPD) und Stürzenberger (pi-news-Autor)]

Michael Stürzenberger, dessen Kommen schon vorab groß angekündigt wurde, hielt bei einer Zwischenkundgebung vor dem Brandenburger Tor eine hetzerische Rede. Bereits zu Beginn seiner Ausführungen ließ er keinen Zweifel, wohin die Reise gehen sollte. Den Islam bezeichnete er als “Feind der zivilisierten Menschheit”. Den Kirchen warf Stürzenberger vor, mit dem Islam zu kollaborieren und vor ihm einzuknicken “genauso wie sie damals mit den Nazis kollaboriert haben.”

Mehrfach bediente sich Stürzenberger sprachlich beim Antisemitismus. Flüchtlinge stellte er als “Wirtschaftsnormaden” dar, “die herkommen, um hier das Geld auszusaugen”. An anderer Stelle sagte er, “der Islam ist wie ein Krebsgeschwür, das sich über alle noch freien Völkern dieses Planeten ausbreitet”. Mit diesem Vokabular stellte sich Michael Stürzenberger an die Seite des Anmelders vom Al Quds Marsch, Jürgen Grassmann. Der hatte zwei Tage zuvor auf dem Kurfürstendamm in penetranter Wiederholung vom zionistischen Krebsgeschwür gesprochen.

Auch von dieser Veranstaltung existiert übrigens ein Video im Netz: [Al Quds Marsch 2015 in Berlin]

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

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Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

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Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”