Maccabi-Games: Gedenkfeier auf dem Maifeld

Noch vor der offiziellen Eröffnung der Maccabi-Games fand am Dienstag, dem 27. Juli um 17:00 Uhr eine Gedenkfeier auf dem Maifeld im Olympia-Park statt. Die Tribüne des riesigen Maifeldes bot zu diesem Anlass ein farbenfrohes Bild. Dort wo die Nationalsozialisten Mai-Aufmärsche und andere Propaganda veranstaltet hatten, tummelten sich heute bunt gekleidete Sportlerinnen und Sportler, Juden und Nicht-Juden, Gäste und Presse, um der jüdischen Sportler zu gedenken, die in Deutschland und Europa erst gedemütigt, diskriminiert und später dann ermordet worden waren.

Justizminister Heiko Maas…
fand in seiner einführenden Rede klare Worte: „Deutschland hat sich an diesen Menschen doppelt versündigt: Erst hat es ihnen in der Nazi-Diktatur Ehre und Leben genommen, und nach 1945 dann hat es den jüdischen Spitzensportlern viel zu lange eine würdige Erinnerung versagt.“

Er selber erinnerte an den Fußballer Julius Hirsch, der im Trikot der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft viele Tore schoss und 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde. Er erinnerte an die Turner Alfred und Gustav Flatow, die zu den ersten Olympia-Siegern der Neuzeit gehörten und im Konzentrationslager Theresienstadt getötet wurden.
Und er gedachte Gretel Bergmanns, die 1936 erst den deutschen Rekord im Hochsprung aufstellte und wenig später aus der deutschen Olympia-Mannschaft ausgeschlossen wurde, weil sie Jüdin war. „Hitler hat ihr damals den Olympia-Sieg gestohlen, aber heute trägt eine Straße hier im Berliner Olympia-Park ihren Namen; und die Hauptstraße, die zum Stadion führt, heißt inzwischen Flatow-Allee, nach den toten Turnern aus Theresienstadt.“

Am Ende seiner Rede formulierte Maas zwei große Aufträge für unsere Gegenwart: „Wir müssen Antisemitismus entschlossen bekämpfen, und wir müssen alles tun, um dafür zu sorgen, dass Jüdinnen und Juden überall dort sicher leben können, wo sie es wollen – in Deutschland, in Israel und in aller Welt.“

Anschließend trat Margot Friedlander….
auf die Bühne. „Sport war mein Leben“, erzählte die 93-Jährige, die heute noch mit ihrer Autobiografie „Versuche dein Leben zu machen. Als Jüdin versteckt in Berlin“ unermüdlich Schulen besucht, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und das Bewusstsein an die Verbrechen des Nationalsozialismus wach zu halten. „Heute finde ich ein neues Deutschland und eine neue Generation . Ich sehe es als meine Pflicht, den jungen Menschen von meiner Geschichte zu erzählen“.
Anlässlich der kommenden Sportspiele erinnerte Friedlander besonders an ihren Bruder Ralph, der schon als kleiner Junge zu Makkabi Berlin gehört habe und dort bis zu seiner Ermordung in Auschwitz boxte.
Nach ihrer Zeit in Theresienstadt war Margot Friedlander mit ihrem Mann in die USA ausgewandert und besuchte Berlin erst wieder nach dessen Tod, im Jahr 1997. Nur wenige Jahre später zog sie für immer in diese Stadt zurück. Sie wünschte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel Erfolg und schloss ihre Rede mit den Worten: „Nehmen Sie das Gedenken an meinen Bruder mit in die Wettkämpfe. Auch er hat den Sport geliebt. Möge der beste gewinnen!“

Im Anschluss… 
an die nachdenklichen Reden stimmte der Klarinettist Roman Kuperschmidt das hebräische Volkslied Hava Nagila an. Besonders das französische Sportteam war an diesem Punkt der Veranstaltung nicht mehr auf den Bänken zu halten. Sie sprangen auf, sangen begeistert mit und stimmten anschließend noch weitere bekannte, jüdische Lieder an.
Mitten im Singen setzte ein Wolkenbruch ein, der sofort rege Betriebsamkeit unter Publikum und Presse auslöste. Da wurde mit Regencapes, Schirmen und Mänteln hantiert oder die Flucht unter schützende Dächer angetreten.

Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung sprach Rabbi Yitshak Ehrenberg das Kaddish-Gebet.

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”