Sieben Jahre Berliner Kinderdenkmal am U-Bahnhof Friedrichstraße

In der Georgenstraße/Ecke Friedrichstraße steht ein Denkmal des israelischen Künstlers Frank Meisler. Es zeigt fünf Kindergestalten in dunkler Bronze, die Richtung Osten aufbrechen. Etwas entfernt stehen zwei Kinderfiguren mit Koffern in hellem Kupfer, vor denen Eisenbahnschienen in die entgegengesetzte Richtung laufen. Die Skulptur trägt den Namen „Züge des Lebens – Züge in den Tod“.
Die größere Figurengruppe steht für die zwei Million Kinder, die im Nationalsozialismus in Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden. Die kleinere zeigt jene Kinder – meist jüdische Kinder aus Deutschland, Österreich, Tschechien und Polen – die in den Monaten nach dem Novemberpogrom 1938 nach England einreisen und durch die Kindertransporte gerettet werden konnten.

Seit sieben Jahren lädt die Organisation Kindertransport e.V. am 1. September zu einer Veranstaltung vor dem Kinderdenkmal ein, um an die Rettungsaktion in den Jahren 1938-39-40 zu erinnern.
„Es waren etwa 12.500 Kinder, die nach dem 30. November 1938 in die Freiheit fuhren und so überleben konnten“ führte Lisa Sophie Bechner, die Vorsitzende der Kindertransport Organisation Deutschland e.V., in die Gedenkveranstaltung ein. „Diese Kinder fuhren ohne Eltern in ein Land, dessen Sprache und Kultur sie nicht kannten.“ Die meisten Kinder sahen ihre Eltern nie wieder, denn diese fanden im Holocaust den Tod. Beim Abschied am Schlesischen Bahnhof und in Charlottenburg wussten die Kinder zumeist nicht, was ihnen geschieht. „Wir kommen bald nach,“ hatten die Eltern getröstet. Eine Notlüge, die das Überleben der Kinder sicherte. Karitative Organisationen und Kirchen besonders in England hatten diese Rettungsaktion ermöglicht.

Viele Offizielle waren an diesem Dienstag zur traditionellen Gedenkveranstaltung erschienen, um mit nachdenklichen Worten an die tiefe Menschlichkeit zu erinnern, die durch jene Kindertransporte sichtbar wird. Zunächst richtete Nick Pickard von der britischen Botschaft ein Grußwort an die Gäste. Er bezeichnete die Rettung der Kinder als ein „leuchtendes Symbol für Menschlichkeit in schlimmer Zeit“.
Ein Satz von der Streicherserenade Antonin Dvoraks, gespielt von einigen Schülern des Kammerorchester des Berliner Händelgymnasiums, ließ die Worte des Briten nachwirken.

Anschließend stellte die Vizepräsidentin des deutschen Bundestages Petra Pau eine nüchterne Verbindung in die heutige Zeit und in das Jahr 2015 her, in dem weltweit eine erschreckende Anzahl Menschen auf der Flucht sind und in Deutschland Flüchtlingsheime brennen. Ihre Worte waren sehr klar: „Es liegt in unserer Verantwortung, dass wir es nicht zulassen, wenn gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sich immer enthemmter entlädt!“, forderte sie auf. Gleichzeitig dankte sie jenen Bürgerinnen und Bürgern, die sich einer solchen Stimmung aktiv entgegenstellen. Petra Pau schloss mit einer Frage der Schriftstellerin Gerti Spieß „Was ist des Unschuldigen Schuld – wo beginnt sie?“ Und ließ sie auch gleich antworten: „Des Unschuldigen Schuld beginnt da, wo er gelassen, mit hängenden Armen schulterzuckend daneben steht, den Mantel zugeknöpft, die Zigarette anzündet und spricht: Da kann man nichts machen. Seht, da beginnt des Unschuldigen Schuld.“

Margarete Koppers, Vizepräsidentin der Berliner Polizei, klärte die etwa 50 anwesenden Zuhörenden darüber auf, warum sich viele junge Polizistinnen und Polizisten in Uniform unter den Gästen befanden. Mit der Aufstellung des Mahnmals 2008 übernahm die Landespolizeischule Berlin die Schirmherrschaft über die Skulptur. Seit dem steht die Veranstaltung „unter dem besonderen Schutz der Polizei“ , erläuterte Koppers und erzählte, dass eine Ausbildungsklasse vor Jahren in Liverpool ein ähnliches Denkmal besucht habe. Alle waren damals so sehr beeindruckt, dass „wir es seitdem als besondere Verantwortung der Polizei sehen, jedem Antisemitismus entgegenzuwirken.“

Mit einem weiteren Satz aus Dvoraks Streicherserenade und einem kurzen abschließenden Wort der Moderatorin Lisa Sophie Bechner endete die Veranstaltung.

Wer sich weiter über die Geschichte der Kindertransporte informieren möchte, hat am 10. September dazu die Gelegenheit. Dann nämlich läuft um 18:00 Uhr in der tschechischen Botschaft (Wilhelmstaße 44, in Berlin-Mitte) der Dokumentarfilm „Sir Nicky – Held wider Willen“, der zu Ehren von Nikolas Winter gezeigt wird. Dieser ist vor einigen Wochen im Alter von 106 Jahren verstorben. Ihm gelang es 1939, mit sieben Kindertransporten fast 700 Kindern aus der Tschechoslowakei zu retten.

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

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Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

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Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”