Gegen Muslime, Sozialisten und die „Lügenpresse“

Bärgida versammelt sich am „Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus“.

 

Erneut haben sich die „Berliner Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes“, kurz: Bärgida, an einem Montag verabredet, um gegen die Geflüchteten aus Syrien und für Deutschland zu demonstrieren. Der vergangene Montag war jedoch nicht irgendein Tag, sondern fiel auf den 9. November, den 77. Gedenktag des judenfeindlichen Novemberpogroms 1938. Das hinderte die „Patrioten“ nicht, ihr Gedankengut zu verbreiten, das vom Berliner Verfassungsschutz als islamfeindlich eingeschätzt wird.

Bei der Auftaktkundgebung des Berliner Pegida-Ablegers auf dem Washingtonplatz am Berliner Hauptbahnhof behauptete der derzeitige Bärgida-Hauptagitator „Mario“ in einer Rede, die Bundesrepublik Deutschland sei lediglich ein „Verwaltungskonstrukt“ ohne „eigene Souveränität“. Für seine Besatzung müsse dieses „Verwaltungskonstrukt“ jährlich rund 30 Milliarden Euro zahlen.

Wie in Ansprachen vorheriger Bärgida-Kundgebungen flehte „Mario“ den autokratischen russischen Präsidenten Putin an, eine „erneute deutsche faschistische Diktatur zu verhindern“. „Mario“ appellierte weiter an Putin: „Lassen Sie nicht zu, dass die Welt wieder am Wesen deutscher Sozialisten genesen soll. Wir, der Souverän, geben ihnen alle Vollmachten, diesen Spuk, bevor er noch schlimmeren Schaden verursacht, ein Ende zu bereiten. Wir tun das, weil wir die Macht haben. Denn: Wir sind das Volk.“

Nach Beendigung des Auftakts am Hauptbahnhof fuhren die Bärgida-AnhängerInnen, begleitet von starker Polizeipräsenz, mit der S-Bahn zum Alexanderplatz. Von dort zogen sie über den Kollwitzplatz zum S-Bahnhof Greifswalder Straße. Unterwegs skandierten die BärGiDa-Aktivisten „Lügenpresse, Lügenpresse“ und „Hoch die nationale Souveränität“.
Das Leittransparent trug ausgerechnet am 9. November unter anderem der in den Medien bereits bekannte Christoph K., der 2011 in einem Berliner Jobcenter mit einer Axt um sich schlug und drohte, mit einer Maschinenpistole wieder zurückzukommen. Über Stolpersteine, die im Brandenburger Zossen verlegt worden sind, schrieb K. auf seiner Google-Seite: „Diese Stolpersteine sollen an jene Juden erinnern, die früher in diesem Haus wohnten und angeblich im Konzentrationslager Theresienstadt umgekommen sein sollen.“ In mehreren Beiträgen solidarisierte sich Christoph K. mit dem inzwischen verstorbenen Holocaustleugner Rainer L., dessen letzte SCHMAZ-Ausgabe er auf seiner Google-Seite mit dem Vermerk „BITTE WEIT VERBREITEN“ als Link anbot. In der Textübersetzung des PDF-Dokuments ist anstatt eines EAN-Strichcodes die Wortfolge „Heil Hitler“ zu lesen.

In einem weiteren Beitrag (2009) hetzte Christoph K. gegen Jüdinnen und Juden. Hier heißt es: „Ausgerechnet an den Weihnachtsfeiertagen, haben die Juden das palästinensische Volk mit schwerem Geschütz angegriffen. (…) Jenes Volk, das sich seit den 70er Jahren permanent über den Holocaust beklagt, hat nun selbst einen ganz schlimmen Holocaust im Gazastreifen angerichtet.“

Zum Ende des Bärgida-Demonstration stimmte Christoph K. über das offizielle Bärgida-Megaphon die erste Strophe der deutschen Nationalhymne an. Zusammen mit dem Veranstaltungsleiter Karl Schmitt und dem AfDler Heribert Eisenhardt sang er „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt.“

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

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Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”