Lernwerkstatt an der Ostseeschule in Wismar

Am 9. und 10. November 2015 organisierte das JFDA zum vierten Mal seine interaktive Lernwerkstatt, in der sich intensiv mit Vorurteilen und Antisemitismus auseinandergesetzt wird.

Diesmal ging es nach Mecklenburg-Vorpommern, an die Ostseeschule in Wismar. Das interkulturelle Projektteam lernte die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassenstufe kennen und kam mit ihnen nicht nur über Vorurteile allgemein und antisemitische Ressentiments im Besonderen ins Gespräch, sondern diskutierte auch mit ihnen über die tätlichen Übergriffe auf Flüchtlinge in Wismar, die Sorgen der Wismarer BürgerInnen über die Einwanderung und die Notlage der geflüchteten SyrerInnen.

Zum ersten Mal begleitete nicht nur Ilker Duyan, der Vorstandssprecher vom Türkischen Bund in Berlin Brandenburg (TBB), das Projektteam vom JFDA, sondern es schloss sich auch der evangelische Pfarrer i.R. Peter-Michael Utasch an. Zusammen gestalteten sie den theoretischen Teil der Lernwerkstatt, in der sich die SchülerInnen zum Teil auch spielerisch mit gesellschaftlich verbreiteten Vorurteilen auseinandersetzten und viele neue Dinge über die Herkunft und Entwicklungsgeschichte der Judenfeindschaft und den modernen Antisemitismus erfuhren. Besonders aufmerksam wurden die SchülerInnen, als sie ein Video über die aktuellen Erscheinungsformen des Antisemitismus sahen. Dabei fand ein Schüler besonders erschreckend und problematisch, wie bereits Kinder von ihren Eltern zu judenfeindlichen Demonstrationen mitgenommen werden und ihnen antisemitische Plakate in die Hand gegeben werden.

Auch in Wismar war ein wichtiger Bestandteil der Lernwerkstatt, den SchülerInnen Raum für eine eigene künstlerische Auseinandersetzung zu geben. Mit großer Konzentration studierten sie das Bildmaterial, das sie für die Plakatgestaltung zur Verfügung gestellt bekamen, und diskutierten über ihre Gedanken und Erfahrungen zum Thema Vorurteile, Rassismus und Antisemitismus. Aus dieser ganz eigenständigen Beschäftigung der SchülerInnen untereinander entstanden schließlich ansehnliche Collagen.

Zum Schluss wurde Bilanz gezogen. Besonders gut gefallen hat den SchülerInnen aus Wismar, dass sie das gelernte Wissen über Vorurteile und Antisemitismus praktisch und kreativ in Form einer Plakatgestaltung verarbeiten konnten. Hier hatten sie genügend Zeit, um sich untereinander auszutauschen und eigenständig über Vorurteile, Rassismus und Antisemitismus zu reflektieren. Zwar fanden sie das Thema Antisemitismus insgesamt sehr schwer und den eher theoretischen Teil der Lernwerkstatt herausfordernd, aber die kreative Plakatgestaltung habe ihnen die Auseinandersetzung erheblich erleichtert, erklärte ein Schüler. Das für die Plakatgestaltung bereitgestellte Bildmaterial empfanden sie als weitere Inspiration zur kritischen Auseinandersetzung: die zum Teil erschreckenden judenfeindlichen Abbildungen haben sie zum Nachdenken angeregt. Überhaupt hätten sie im praktischen Teil der Lernwerkstatt gelernt, die eigene Meinung auf einem Plakat auszudrücken. Am Ende der Lernwerkstatt haben sie ihre selbst angefertigten Plakate vor der Klasse präsentiert und hatten hier die Gelegenheit, ihre transportierte Botschaft zu erklären und ihre Meinung kund zu tun. In der Präsentation waren die Wismarer SchülerInnen besonders stark. Sie zeigten großes Interesse an den Plakaten ihrer MitschülerInnen und verglichen ihre Werke.

Letztlich fanden es einige SchülerInnen besonders gut, dass sie das, was sie in den vergangenen Tagen gelernt haben, auch in Zukunft nutzen können: im Unterricht wie im Alltag. Dieses Fazit erfreut insbesondere das Projektteam – zeigt es ihnen doch, dass die Begegnung für alle Seiten bereichernd ist.

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”