Ausstellungseröffnung an der Ostseeschule Wismar

Plakate Ausstellung Wismar

Ein kurzer Bericht über die Abschlussveranstaltung der interaktiven Lernwerkstatt an der Ostseeschule Wismar: Eine Ausstellungseröffnung von Plakaten zu Rassismus und Antisemitismus, ein Buffet, eine Diskussionsrunde.

Ein erschütterndes Ereignis machte die mecklenburgische Hansestadt Wismar kürzlich in den Medien bekannt. In der behaglichen Kreisstadt, die aufgrund ihrer schönen Altstadt auf der Welterbeliste der UNESCO steht, wurden am Abend des 31. Oktobers 2015 zwei Syrer vor der Notunterkunft im Wismarer Stadtteil Friedensdorf überfallen und krankenhausreif geschlagen.

Als das Team vom Projekt „Vorurteile abbauen, antisemitische Ressentiments bekämpfen“ am 9. und 10. November 2015 ihre interaktive Lernwerkstatt durchführte (Bericht hier), waren daher die Themen rund um die Geflüchteten aus Syrien und der Rassismus von deutscher Seite zentral. Die Schülerinnen und Schüler nahmen die Lernwerkstatt zum Anlass, sich über die Neuankömmlinge in Wismar auszutauschen.

Am Ende der zwei Novembertage mit dem Projektteam aus Berlin entstanden neun Plakate: Davon fertigten die Schüler/innen fünf zum Thema Rassismus sowie vier zum Thema Antisemitismus an. Am 17. Dezember 2015 kehrte das Projektteam wieder nach Wismar zurück, um die Plakate mit einer kleinen Ausstellungseröffnung zu präsentieren und in Erinnerung zu rufen, was wenige Wochen zuvor diskutiert, gelernt und geschaffen wurde.

Feierliche Eröffnung der Ausstellung

Thomas Beyer Bürgermeister

Thomas Beyer, Bürgermeister von Wismar, und Levi Salomon, Sprecher des JFDA

Wie die Schulleiterin Beate Brindle in der Begrüßung hervorhob, gehört die Wismarer Ostseeschule zu den deutschlandweit insgesamt rund 1.800 Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage. Wie die Jugendinitiative auf ihrer Website erklärt, wollen sie mit dem Projekt Kindern und Jugendlichen ermöglichen, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten, indem sie sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wenden.

Als Schule ohne Rassismus hat sich die Ostseeschule bereits in der Vergangenheit mehrfach mit den Themenfeldern auseinandergesetzt, die bei der Lernwerkstatt im November zentral waren. Die Schulleiterin brachte ihre Freude zum Ausdruck, ein solches Projekt erneut verwirklicht zu haben und lobte die schönen Plakate der Schüler/innen.

Als besonderen Gast begrüßte die Schule Thomas Beyer (SPD), der seit 2010 Bürgermeister von Wismar ist. Beyer hat sich selbst während seines Theologie-Studiums mit der Judenfeindschaft von christlicher Seite – insbesondere der Bibel – beschäftigt. Er war beeindruckt vom schulischen Engagement für Toleranz und gegen Rassismus. Besonders gefielen ihm die neun Plakate der Schülerinnen und Schüler, die sich hier klar und deutlich gegen Rassismus und Antisemitismus aussprachen, die für eine bunte Stadt und für Toleranz plädierten. Besonders jetzt, da viele Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten nach Deutschland fliehen, sei es wichtig, gegen Rassismus zu agieren, so der Bürgermeister in seiner kurzen Ansprache vor den Teilnehmer/innen der Aussstellungseröffnung. Beyer selbst betont die Chancen und Bereicherung, die mit der Aufnahme von Geflüchteten verbunden sind und setzt auf ein tolerantes, weltoffenes Wismar.

Essen und Trinken, Betrachten und Erinnern

Auch das Team aus Berlin freute sich über das Wiedersehen in Wismar und fasste nach der Begrüßung nochmals kurz zusammen, was in den zwei Workshop-Tagen besprochen und gelernt  wurde. Dann ging es aber erst mal ans Buffet: Neben Drinks und Snacks aus Berlin gab es diesmal sogar leckeren selbstgebackenen Kuchen von der Schule. Bepackt mit Getränk und Kuchenstück konnten anschließend Schüler/innen wie Lehrer/innen, Bürgermeister und Projektteam in Ruhe die Plakate betrachten und sich auf den praktischen Teil der Lernwerkstatt zurückbesinnen, der in der Plakatgestaltung lag.

Nachdem sich alle die Ausstellung angeschaut hatten, ging es ans Eingemachte: Eine Abschlussdiskussion sollte allen Teilnehmer/innen ermöglichen, über die auf den Plakaten transportierten Botschaften zu sprechen.

Abschlussdiskussion

Diskussionsrunde bei der Ausstellungseröffnung Wismar

Diskussionsrunde bei der Ausstellungseröffnung in Wismar

Wie schon während der Workshop-Einheiten im November war auch in der Abschlussdiskussion die Haltung zu den geflüchteten Syrer/innen, Afghan/innen etc. zentral. Da Wismar einige Geflüchtete aufgenommen hat, zuvor aber kaum Menschen aus muslimischen Kulturkreisen in Wismar lebten, fallen die Neuankömmlinge aus Syrien, wenn sie durch die mecklenburgische Stadt laufen, der lange ansässigen Bevölkerung ins Auge. Die Situation ist für die Bevölkerung also relativ neu und mit Städten wie Berlin oder Hamburg – wo seit Jahrzehnten eine muslimische Community wohnt – nicht zu vergleichen.

Wie ist es also für die Bevölkerung in Wismar, dass es plötzlich Menschen gibt, die kein oder kaum deutsch sprechen, und offensichtlich aus einem anderen Kulturkreis kommen? Befremdlich, meint eine Schülerin, sei es schon. Ungewöhnlich findet es eine andere Schülerin.

Hier wird eine gewisse Skepsis deutlich und es war den Schüler/innen durchaus wichtig zu betonen, dass die Geflüchteten sich im neuen Land respektvoll verhalten sollten. Ein Schüler, für den dies besonders zentral war, wandte ein, dass sich natürlich auch nicht alle Deutschen stets anständig verhielten. Es sei also wichtig, dass nicht nur Geflüchtete, sondern auch Deutsche respektvoll miteinander umgingen. Peter Utasch vom Projektteam ergänzte, dass hierfür auch das Grundgesetz weiterhelfen und als Grundlage für den Umgang miteinander dienen könne.

An der Schule selbst gibt es inzwischen auch einige Schüler/innen aus Syrien, erklärte eine Schülerin. 19 seien es, und von Problemen konnte keiner der Diskussionsteilnehmer/innen berichten. Da sie einen speziellen Deutsch-Unterricht erhielten, könnten sie sich auch schon in der deutschen Sprache verständigen, so die Schülerin.

Da es den Teilnehmer/innen der Diskussionsrunde offensichtlich nicht ganz leicht fiel, sich in die Situation der Geflüchteten hineinzuversetzen – die ihre Heimat schließlich nicht freiwillig verließen, sondern aufgrund der Kriegssituation keine andere Möglichkeit mehr sahen, als zu fliehen – erzählten Peter Utasch und Levi Salomon von ihrer persönlichen Geschichte und der Situation, wie es ist, als Fremder in ein unbekanntes Land zu kommen. Utasch ist aus der DDR ausgewiesen worden und lebte anschließend in der BRD, Salomon kam 1991 aus der Sowjetunion nach Deutschland. Für ein gegenseitiges Verständnis ist es schließlich wichtig, sich in den anderen hineinversetzen zu können. Wenn man versteht, dass es auch für die Geflüchteten nicht einfach ist, ist es auch vermutlich einfacher, Akzeptanz und Hilfsbereitschaft zu zeigen.

Fazit

Eine der jungen Diskussionsteilnehmer/innen drückte zum Schluss noch ganz grundsätzlich ihr Unverständnis darüber aus, wieso Menschen für ihren Glauben ausgegrenzt würden. Der Glaube – ob muslimisch, christlich oder jüdisch – sollte ihrer Meinung nach völlig egal sein. Es sollte jedem Menschen selbst überlassen sein, an welchen Gott oder ob er überhaupt glaube: Das sei schließlich Privatsache. Das Projektteam freute sich über dieses Statement und hofft, dass es künftig immer mehr Menschen gibt, die so denken.

 

 

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”