Ausstellungseröffnung und Podiumsdiskussion am Oberstufenzentrum in Strausberg

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Bericht über die Ausstellungseröffnung und Podiumsdiskussion am Oberstufenzentrum in Strausberg, die am 20.02.2016 im Rahmen des Tags der offenen Tür stattfanden.

In der Vorweihnachtszeit des vergangenen Jahres, am 16. und 18. Dezember 2015, kamen die Schüler_innen der 11. und 12. Klasse des Oberstufenzentrums Strausberg (OSZ) zusammen, um sich im Rahmen der interaktiven Lernwerkstatt mit den Themen Vorurteile und Antisemitismus zu beschäftigen. Schon damals war unser interkulturelles Team sehr beeindruckt von der offenen Atmosphäre und den angeregten und anregenden Diskussionen. Auf Basis dieses Austauschs fertigten die Schüler_innen in Eigenregie neun Plakate an, auf denen sie kreativ ihre eigenen Positionen gegen Antisemitismus, Judenhass und Vorurteile aufs Papier brachten.

Zwei Monate später, am 20. Februar 2016, hielt das OSZ einen Tag der offenen Tür ab, zu dem auch Eltern und interessierte Besucher_innen geladen waren. Dort hatte unser Team die Möglichkeit, sich erneut mit der Projektgruppe zu treffen, um sich über das gestalterische Resultat der Lernwerkstatt auszutauschen. Hier bekamen die Schüler_innen zum ersten Mal die von ihnen gestalteten und inzwischen graphisch überarbeiteten Plakate zu Gesicht.

Die 11. und 12. Klasse nutzte den Tag der offenen Tür, um ihre fertigen Plakate in der Aula auszustellen und zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Integration einzuladen.

Podiumsdiskussion zum Thema Integration

Frau Birgit Schroeder, die Lehrerin der Projektklasse, moderierte die Podiumsdiskussion, für die ein Klassenraum zur Verfügung stand. Dadurch entstand schnell eine vertraute Gesprächsatmosphäre, die sicher auch dadurch begünstigt wurde, dass sich die meisten Diskutant_innen bereits kannten.

Auf dem Podium saßen neben drei Vertretern unseres interreligiösen Teams auch vier Schüler_innen und ein Lehrer. Alle Podiumsteilnehmer_innen brachten ihren jeweils eigenen Zugang zum Thema Integration mit.

Vorstellung der Podiumsteilnehmer_innen

Podiumsgäste in Strausberg

Podiumsgäste (v.l.n.r.): Birgit Schroeder, Svenja Tscherniewsky, Jessica Schattenberg und Robin Prinz.

Die Schülerin Jessica Schattenberg beschäftigt sich in ihrer politischen Aktivität bei der Jungen Union Petershagen mit den Integrationsmöglichkeiten und setzt sich hierfür auch praktisch ein, indem sie ehrenamtliche Aktionen mit geflüchteten Kindern durchführt.

Svenja Tscherniewsky ist Gründungsmitglied der AG Israel am OSZ und war bei einer Reise nach Tel Aviv überrascht, wie herzlich ihre Gruppe dort empfangen wurde, obwohl Deutschland durch seine historische Verantwortung für die Shoah seinen negativen Beitrag zur Staatsgründung Israels geleistet hat.

Maryam Nori lebt seit vier Jahren in Deutschland und kommt aus Kahane. Dadurch verfügt sie über einen sehr persönlichen Einblick in die Chancen und Schwierigkeiten, die sich ergeben, wenn man neu in ein Land kommt.

Robin Prinz wiederum hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie geflüchtete Kinder und Jugendliche am besten integriert werden könnten, vor allem außerhalb der Schule.

Emanuel Kabore ist ein Lehrer des OSZ, der in Burkina Faso geboren wurde und in Frankreich aufgewachsen ist. Dadurch weiß er nicht nur über persönliche Erfahrungen mit Migration und Integration zu berichten, sondern lieferte auch interessante Einblicke in die kulturellen wie gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich.

Auch die Mitglieder unseres interkulturellen und interreligiösen Teams bringen ihre jeweils eigenen Geschichten zum Diskussionsthema mit.

Peter Utaschs Familie musste nach dem Sieg der Alliierten über Deutschland ihre Heimat verlassen, da diese künftig zu Polen gehörte. Später hatte er in der DDR mit Diskriminierung aufgrund seiner Religiosität zu kämpfen und wurde schließlich, als Pfarrer, sogar des Landes verwiesen.

İlker Duyan kommt aus der Türkei, lebt jedoch seit Jahrzehnten in Deutschland und ist Vorstandsmitglied des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg (TBB). Im Rahmen seiner Arbeit unterstützt er Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind und verhilft ihnen, bisweilen auch juristisch, zu ihrem Recht.

Levi Salomon ist als russischer Jude Anfang der 1990er Jahre mit seiner Frau und seinem damals vierjährigen Sohn nach Deutschland migriert. Er betont in seinem Eingangsstatement auf dem Podium, wie wichtig es für seinen Sohn war, sofort in den Kindergarten zu gehen, um dort die deutsche Sprache zu lernen und Freundschaften zu schließen. Dies sei die Grundlage seiner gelungenen Integration gewesen.

Ist Glaube Privatsache?

An dieser Frage entbrannte die inhaltliche Diskussion und es schieden sich die Geister auf dem Podium. Herr Kabore erläuterte das französische Modell, das ein Verbot von religiösen Symbolen an öffentlichen Orten bzw. Institutionen wie Schulen vorsieht. Dadurch solle einerseits ein Klima von Unvoreingenommenheit erzeugt und andererseits verhindert werden, dass für die eine oder andere Religion geworben wird. Denn der Großteil der französischen Gesellschaft habe sich in einem demokratischen Prozess für den Säkularismus entschieden, der dementsprechend auch durchgesetzt werden müsse.

Die Schüler_innen fanden diese Regelung insofern bedenklich, als dass sie einerseits zu Ausgrenzung führen könne und andererseits einen wichtigen Teil der Persönlichkeit Einzelnener ausklammere.

In der Diskussion wurde jedoch schnell klar, dass es vor allem darauf ankommt, die individuellen wie gesellschaftlichen Probleme, die sich sowohl aus der deutschen als auch der französischen Praxis ergeben, wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen. Denn alle waren sich darin einig, dass streng gläubige Schüler_innen nicht von gemeinsamen Aktivitäten ausgeschlossen werden dürfen.

Wie funktioniert Integration – vor allem von Kindern und Jugendlichen?

Podiumsgäste Strausberg

Podiumsgäste (v.l.n.r.): İlker Duyan, Maryam Nori, Peter Utasch und Emanuel Kabore. (Nicht zu sehen: Levi Salomon.)

Ferner sind sich ebenfalls alle darin einig, dass es nicht nur darum gehen muss, Exklusion zu verhindern, sondern vielmehr darum, Integration zu erreichen. İlker Duyan wies darauf hin, dass der Grundstein sowohl für die eigene Integration als auch für die Bereitschaft, andere zu integrieren, in der Erziehung liege: Also zunächst in der Familie und dem direkten Umfeld, anschließend in Institutionen wie Kindergärten und Schulen. Dabei sei es vor allem wichtig, in einen Austausch mit diesen Familien zu gehen, sich auch als Nachbar oder Bekannter verantwortlich zu fühlen, damit die Sorgen und Belange der Einzelnen nicht nur in den eigenen vier Wänden verhandelt werden.

Um die von İlker Duyan angesprochene Bildung und Erziehung zu gewährleisten, gehört zu den großen Herausforderungen, mit denen wir in Deutschland derzeit besonders intensiv umzugehen haben. Levi Salomon wies in Bezug auf die aktuelle Lage darauf hin, dass viele der geflüchteten syrischen Kinder und Jugendlichen aufgrund des Krieges in ihrem Heimatland lange auf eine stabile Schulbildung verzichten mussten. Die so entstandenen Wissenslücken müssten sie zunächst füllen, während sie parallel ihre traumatischen Erfahrungen verarbeiten und sich in einem neuen Land zurechtfinden müssten, dessen Sprache sie zunächst nicht kennen.

Das Podium war sich darin einig, dass es wichtig ist, ihnen dabei zu helfen, diesen Weg zu meistern. In vielen Fällen, so berichtete Jessica Schattenberg aus ihrer Erfahrung, gehörten die ehemals geflüchteten Schüler_innen sogar zu den Klassenbesten. Vor allem, wenn sie so früh wie möglich in Deutschland zur Schule gehen könnten, gelinge die Integration sehr gut und der Ehrgeiz, mit den deutschen Schüler_innen mitzuhalten, sei sehr hoch, so Jessica.

Doch die schulische Integration sei nicht alles, betonte Robin Prinz. Ebenso wichtig sei es, persönlichen Kontakt aufzubauen, damit man sich nicht nur im schulischen Umfeld kennenlerne, sondern auch als Privatmenschen. Dazu seien Vereine ein gutes Medium, weil in ihnen unterschiedliche Menschen in ihrer Freizeit zusammen kommen. Nicht nur falle es so leichter, die Sprache zu lernen, man finde auch schneller Anschluss und lerne, sich unabhängig von Herkunft und kulturellem Hintergrund gemeinsam zu organisieren. Daher wäre es eine gute Sache, wenn Geflüchtete kostenlos in Vereinen aufgenommen würden und ihr Engagement in diesen gefördert würde.

Die Menschen zusammenbringen sei das Beste, was man machen könne, waren sich alle einig. Es müssten aber auch alle wollen und man müsse bereit sein, mit etwaigen kulturellen Unterschieden umzugehen. Alle müssten mitmachen und aufeinander zugehen, sonst funktioniere es nicht.

Oder, wie Jessica es in ihrem Abschlussstatement formulierte: „Wir müssen endlich mal machen, nicht nur reden. Endlich mal selbst die Initiative ergreifen!“. Denn „der Schlüssel“, so stellte Robin fest, „liegt in der Zivilcourage!“.

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”