(Berlin, 04.03.2016) Antisemitische Parolen und „Hitlergruß“ vorm „Moviemiento“-Kino

propalästinensische Kinobesucher

Am Freitag Nachmittag zeigten vier Menschen auf dem Kottbusser Damm in Berlin-Kreuzberg den „Hitlergruß“; auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurden aus einer Gruppe von rund 40 Personen heraus Sprüche wie „From the River to the Sea – Palestine will be free“ und „Boykott Israel“ skandiert. Wie kam es dazu?

Propalästinensische Aktivisten vorm Moviemiento KinoVom 29. Februar bis zum 7. März 2016 fand die „Israeli Apartheid Week“ in Europa statt. Organisiert wird diese jährlich stattfindende Israelfeindliche Woche von verschiedenen pro-palästinensischen Organisationen. In Berlin haben die Organisationen BDS-Berlin (Boycott, Divestment and Sanctions) und F.O.R. Palestine (For One State and Return in Palestine) anlässlich dieser Woche ins Kreuzberger Kino Moviemiento geladen. Gezeigt wurde die antiisraelische Dokumentation »Even Though My Land is Burning« vom israelischen Regisseur Dror Dayan, der bei der Vorstellung persönlich anwesend war. Dayan ist selbst politischer Aktivist und setzt sich für die Auslöschung des israelischen Staats zugunsten einer palästinensischen Staatsgründung vom Jordan bis zum Mittelmeer ein. Er spricht dabei von einer „One State Solution“, die bewirken würde, dass es den einzigen jüdischen Staat der Welt nicht mehr gibt.

Für dieses Ziel halten die BDS-Aktivist/innen den Boykott gegen den jüdischen Staat für ein adäquates Mittel – etwa, weil sich dieses doch schon in der Vergangenheit bewährt hat? Als Reaktion derartigen Engagements hielten jedenfalls etwa 60 Menschen auf dem in unmittelbarer Kino-Nähe befindlichen Hohenstauferplatz eine israelsolidarische Kundgebung statt und führten in mehreren Redebeiträgen ihre Kritik an den BDS-Kampagnen aus. Unter anderem sprach dabei Mike Delberg von der Jüdischen Gemeinde Berlin.

Zeitgleich versammelten sich direkt am Kinoeingang zeitweilig bis zu 50 Personen aus dem pro-palästinensischen Spektrum, die lautstark gegen die israelsolidarische Kundgebung mit schwenkenden Palästina-Flaggen protestierten. Wiederholt riefen sie den israelsolidarischen Menschen Parolen wie „Zionisten raus“ und „Boykott Israel“ zu und bezeichneten sie als „Kindermörder“, „Frauenmörder“, „Faschisten“, „Apartheidsschweine“, „Söhne Hitlers“ und „Nachkommen der Nazis“.moviemiento2

Nach Beendigung der israelsolidarischen Kundgebung wurden abziehende Teilnehmer/innen von vier Personen aus dem migrantischen Milieu bedrängt und beleidigt. In Höhe Sanderstraße zeigen die Vier vom gegenüberliegenden Gehweg aus mehrfach den „Hitlergruß“ in Richtung der jüdischen und nichtjüdischen Menschen.

Den Kinobetreiber/innen vom Moviemiento schien der Andrang zu gefallen: spontan stellten sie den BDS-Aktivist/innen einen weiteren Kinosaal zur Verfügung, in dem „Even though my Land is burning“ gezeigt wurde.  Außerdem soll der Film in naher Zukunft noch mindestens dreimal laufen.

 

Videoaufnahme zu den Vorfällen:

 

Hier auch ein Bericht der Morgenpost und der Jüdischen Allgemeine.

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”