[VIDEO] Kirchlicher Antijudaismus erklärt: Interview mit Pfarrer Johannes Hildebrandt

Im Rahmen des JFDA-Projekts „Vorurteile abbauen, antisemitische Ressentiments bekämpfen“ führte das Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus im vergangenen Jahr mehrere Interviews mit Expertinnen und Experten durch, die, vor ihrem jeweiligen fachlichen Hintergrund, Fragen zu den Wurzeln der Judenfeindschaft und den aktuellen Erscheinungsformen des Antisemitismus beantworteten.

Im dritten Interview, dass Aaron mit Pfarrer Johannes Hildebrandt im vergangenen Jahr führte, geht es um die Judenfeindschaft der Kirche als Wurzel des Antisemitismus von heute.

Johannes Hildebrandt, ehemaliger Pfarrer der Sophien-Gemeinde in Berlin-Mitte, war langjähriger Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft Judentum und Christentum“ in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sowie Initiator des Pogromnachtgedenkens in der Sophienkirche.

Im Gespräch mit Aaron klärt Pfarrer Hildebrandt über die Geschichte des Christentums und seine jüdischen Wurzeln auf und zeichnet so auch die Geschichte des Antijudaismus nach. Dabei betont er jedoch, dass es in diesem Zusammenhang nicht nur um Religion geht:

„Der Begriff Religion ist an dieser Stelle ein wenig beschwerlich. Ich denke, es geht um Lebensweisen. Wenn einer so lebt und der andere lebt anders, dann gibt es Konflikte. Wenn sich diese Konflikte verhärten, dann werden sie visualisiert. Dann sagt die eine Gruppe zur andere: Du bist gegen das, was für uns wesentlich ist, du gehörst zu den Anhängern des Teufels. Und die Andere sagt, was haben wir mit dir zu tun? Bleibt uns vom Halse, du verdirbst unsere jüdische Tradition. Das schaukelt sich gegenseitig hoch. Wer die politische Macht hat, hat dann natürlich das Sagen.“

Pfarrer Hildebrandt räumt ein, dass die römisch-christliche Tradition und in diesem Rahmen auch die christliche Kirche ihren Teil zur modernen Judenfeindschaft beigetragen hat, die letzendlich während des Nationalsozialismus zum industriellen Massenmord an Jüdinnen und Juden geführt hat. Auch heute noch müsse er bisweilen Predigten beiwohnen, die antisemitische Inhalte kolportieren und sich nicht, aus der Perspektive des Katholizismus, dezidiert gegen Judenhass und Menschenfeindschaft positionieren. Dies sei, so Pfarrer Hildebrandt, ihrer unzulänglichen Auslegung der Heiligen Schrift geschuldet.

„Und es gibt tolle Texte im Neuen Testament, es ist ein schönes Buch, ich möchte es nicht aufgeben, aber man muss es kritisch lesen.“

 

Das JFDA-Projekt „Vorurteile abbauen, antisemitische Ressentiments bekämpfen“ wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen im Rahmen des „Landesprogramm Demokratie, Vielfalt, Respekt in Berlin“, der F.C.Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz sowie der Harold-Bob-Stiftung.

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”