Ausstellung und Diskussionsrunde in Halle

Am 3. Mai besuchte das Projektteam zum zweiten Mal die Integrierte Gesamtschule  in Halle, um zusammen mit Schüler_innen und Lehrer_innen die Ausstellung zum Thema „Vorurteile abbauen – antisemitische Ressentiments bekämpfen“ zu eröffnen.

Schüler_innen vom Sozialkundekurs und Religionskurs der Klassenstufe 11 hatten die Plakate gestaltet. Die Arbeiten wurden von einer Grafikerin aufgearbeitet und großformatig auf Plakate gedruckt. Die Plakate bleiben in der Schule und werden dort weiterhin ausgestellt.

Begrüßung der Gäste

In der schönen Aula des Altbaus gaben drei Schüler den Auftakt mit jazzig-flotten Rhythmen, bevor Herr Lauterbach als Kursleiter für Sozialkunde die Anwesenden begrüßte.58a14ef12fd02d36566a3cde1a424ed2

Es hatten sich mehr als 60 Schüler_innen der Jahrgangstufe 11 und mehrere Lehrer_innen eingefunden, um an der Plakatvorstellung und der Podiumsdiskussion teilzunehmen. Neben unserem inter-religiösen Projektteam war auch der SPD-Politiker und Bunsdestagsabgeordnete Dr. Diaby erschienen. Herr Dr. Diaby ist im Senegal  aufgewachsen und lebt seit fast 30 Jahren in Deutschland. Er machte aufgrund eigener Erfahrung mit Rassismus im Alltag deutlich, wie wichtig unser Projekt ist, um mit Vorurteilen umzugehen und Antisemitismus wie Rassismus zu bekämpfen. Er selbst bietet Schulen seine Unterstützung bei weiteren Projekten zu dem Thema an. Dann führte der Projektleiter Levi Salomon in das Thema ein.

Plakatvorstellung

DSC00931ANeben drei Plakaten, die unser Projekt erläutern, wurden neun Plakate ausgestellt, die die Schüler_innen selber in der Lernwerkstatt zum Thema Antisemitismus und Rassismus gestaltet hatten.

Auf einem Plakat war eine Abbildung zu sehen, in der der israelische Ministerpräsident – als Teufel dargestellt – gerade dabei ist, ein geschlachtetes Kind zu verschlingen. Dr. Diaby stand auf und sagte, sowas hätte er auch schon von Rassisten erlebt, wenn Afrikaner als Tiere oder schwarze Teufel beschimpft werden.

Nacheinander erläuterten die Jugendlichen, für welche Kernaussage sie sich entschieden hatten und wen sie damit erreichen wollen. So wählten die Schüler_innen auch Themen wie Sexismus und Homophobie

Trotz einer gewissen Aufgeregtheit einiger Schüler_innen wurden ihre Botschaften sehr aufmerksam aufgenommen, und es gab kräftigen Beifall für jede Gruppe.

Die Diskussionsrunde

Im Anschluss an die Plakatvorstellung fand eine Diskussionsrunde statt, in der sich die Mitschüler_innen sehr engagiert beteiligten. Diskutiert wurden Fragen wie: „Haben nicht alle Menschen irgendwelche Vorurteile?“. Hier antwortete der SPD-Politiker sehr anschaulich mit Verweis auf seine Hundeangst sehr anschaulich. Er selber habe ein Vorurteil und vor allem Angst vor Hunden, DSC00945da er in seiner Kindheit schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht habe. Dennoch ist das für ihn kein Grund, einen allgemeinen Hass gegen Hunde zu hegen. Er könne seine Angst reflektiert betrachten und würde seine eigene Abneigung gegen Hunde nicht zu einem allgemeinen Thema werden lassen, in dem gleich alle Hunde und deren Besitzer abgewertet werden.

Einige Schüler äußerten: Vorurteile können sogar erste Orientierung ermöglichen. Später aber müsse man aufgrund eigener Erfahrungen die eigenen Vorurteile überprüfen und bereit sein, diese abzubauen, besonders dann, wenn sie sich gegen einzelne Menschen oder ganze Menschengruppen richten.

Eine weitere Schülerfrage lautete: „Was kann ich alleine schon gegen Antisemitismus ausrichten?“. An der Reaktion anderer Schüler_innen wurde deutlich, dass einige sich überfordert fühlen, ein so verbreitetes und bedrohliches Phänomen zu bekämpfen.

Daraufhin griff Peter-M. Utasch die Äußerung eines Mädchens auf, das gesagt hatte: „Bereits als kleines Kind sollte man erfahren, dass man von den Eltern und nahen Menschen angenommen und geliebt wird. So erlebt das Kind schon ganz früh verlässliche Zuwendung, die stark macht und Selbstbewusstsein wachsen lässt.“ Und er fuhr fort: Rassisten und Antisemiten leiden unter einem geringen Selbstwertgefühl und fürchten sich vor Menschen oder Gruppen, deren Andersartigkeit sie als Bedrohung empfinden. Darum ist ein gesundes Selbstbewusstsein eine gute Voraussetzung dafür, in Gesprächen oder Auseinandersetzungen zum Thema Rassismus und Antisemitismus seine eigene Meinung zu vertreten. Eine Schülerin vom Podium ergänzte mit dem Zitat „Einer für alle, alle für einen“. Es sei wichtig Menschen im eigenen Umkreis aufzuklären und füreinander da zu sein.

Ein anderer Schüler fragte, wie es zu der Gründung des JÜDISCHEN FORUMS FÜR DEMOKRATIE UND GEGEN ANTISEMITISMUS gekommen sei. Nun erzählte Levi Salomon von seinem Großvater, der als Rabbiner in der Sowjetunion in einem Straflager zusammen mit Geistlichen aus anderen Religionen gelitten habe. Herr Salomon selber habe seit seiner Kindheit DSC00991Diskriminierungen als Jude in der Sowjetunion erlebt. In Deutschland, das auf eine lange Geschichte der Judenfeindschaft zurückblicke, habe er dann in der Berliner Jüdischen Gemeinde viele Menschen mit ähnlichen Erfahrungen getroffen. Daraufhin habe er vor 8 Jahren zusammen mit anderen DAS JÜDISCHE FORUM gegründet. Heute kann jeder sehen, dass der uralte Bodensatz des Antisemitismus neue Blüten treibt und die Auseinandersetzung und der Kampf gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hochaktuell und dringend notwendig ist.

Gegen Ende der Diskussion meldete sich ein Schüler zu Wort, der fand, dass Projekte wie unseres Druck ausüben würden. Er habe das Gefühl, man dürfe nichts mehr gegen Flüchtlinge und Ausländer sagen.

Levi Salomon stellte daraufhin eine Gegenfrage: In welcher Welt wolle er lieber leben, in einer Welt mit geschlossenen Grenzen ohne Austausch mit anderen Ländern und deren Menschen oder in einer toleranten Welt, in welcher es einen offenen Umgang mit unterschiedlichen Menschen aus vielen Ländern gibt.

Peter-M. Utasch antwortete dem Schüler etwa so: Ich verstehe dich so, dass du dich stark machst für einen freien Meinungsaustausch und für Toleranz auch gegenüber unerwünschten Meinungen. In Sachen des Rassismus und des Antisemitismus geht es aber nicht nur um unterschiedliche Meinungen. Hier werden Menschen abgewertet, ihnen wird zuerst die Würde und oft auch das Leben genommen. Dagegen kämpfen wir. Das ist nicht nur eine Meinung, sondern eine Haltung. Genau deshalb sind wir als inter-religiöses Team des Jüdischen Forums hier, und dafür stehen wir ein.

Ein anderer Schüler ergänzte. Wenn wir uns hier nicht stark machen, dann kann sich die unsägliche Geschichte aus Fremdenhass, Rassismus und Antisemitismus wiederholen. Die stellv. Schulleiterin Frau Ortlieb sagte in ihrem Schlusswort, dass es schon genug Druck von Rechts und von rechten Parteien gäbe. Darum wäre es gar nicht so schlecht, auch mal Druck für die Demokratie aufzubauen.

Das Nachgespräch mit einem Wunsch

In einem Nachgespräch äußerten Herr Lauterbach und Frau Ortlieb den Wunsch an das Projektteam, ihre Schule im neuen Schuljahr mit demselben oder einem neuen Workshop für nachfolgende Jahrgänge erneut aufzusuchen.

Unter folgendem Link haben die Schüler_innen der Integrierten Gesamtschule Halle ihre Erfahrungen und Eindrücke bzgl. unserer Lernwerkstatt zusammengefasst:

Integrierte Gesamtschule Halle

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”