Öffentliche Präsentation von Schülerplakaten im Oranienburger Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum

Vor drei Monaten hatten wir uns kennengelernt: die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 11 und 12 zusammen mit ihrer Lehrerin Frau Neumann und unser interreligiöses Team vom Jüdischen Forum Berlin. Als sichtbares Ergebnis unseres Workshops zum Thema – Vorurteile abbauen, antisemitische Ressentiments bekämpfen – hatten die Jugendlichen eigene Plakate gestaltet. Diese wurden nun der versammelten Öffentlichkeit vorgestellt.

_MG_1071So trafen wir uns am 22. Juni wieder in einem von den Schülern für die Veranstaltung vorbereiteten Raum der Schule. Die vorderen 20 Sitzplätze waren namentlich gekennzeichnet für die zu erwartenden Gäste aus Politik, Öffentlichkeit und für die Pressevertreter. Die Schüler hatten ihre Aufgabengebiete für die Veranstaltung unter sich aufgeteilt. Zunächst trat  die Ton- und Technik-Gruppe in Erscheinung. Im Hintergrund war eine andere Gruppe bereits damit beschäftigt, das abschließende Catering vorzubereiten.

Dann ging es auch schon los: Ein Schüler spielte eigene Stücke auf seinem Cello. Dann begrüßte Frau Neumann unser Team mit Ilker Duyan _MG_1088(Türkischer Bund Berlin Brandenburg), Melanie Hermann und Pfarrer Peter-M. Utasch als Mitarbeiter des Jüdischen Forums.

Als weitere Gesprächsteilnehmer wurden die anwesenden Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Oranienburg begrüßt sowie Björn Lüttmann, der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Brandenburger Landtag und Stefanie Rose, die Kreisvorsitzende der Partei Die Linke. Besonderen Beifall bekam Dieter Starke als ehemaliger Schulleiter des OSZ und jetziger Bildungsdezernent des Landkreises, aber auch Astrid Jung, die sich als Vertreterin der unabhängige Unterstützungsagentur RAA Neuruppin für Bildung und gesellschaftliche Integration von zugewanderten Menschen an Schulen engagiert. Mit sehr konkretem Interesse an unserem Schul-Projekt war ein weiterer Schulleiter und der zuständige Schulrat gekommen.

Nun aber trat ein Schüler-Chor auf mit zwei Liedern, deren Text punktgenau zu unserm Thema passte: „Was keiner sagt, das sagt heraus. / Was keiner denkt, das wagt zu denken. / Was keiner anfängt, das führt aus.“ Oder auch: „Viele Jungen werden Greise, / bevor sie noch die Alten sind. / Nur ein Weg führt aus dem Teufelskreise.  / Der Weg gegen den Wind!“

_MG_1107Die Schüler stellten daran anschließend ihre Plakate vor und erzählten, was sie mit ihren Collagen zum Ausdruck bringen und wen sie damit ansprechen wollten.

Drei andere Schüler hatten sich darauf vorbereitet, nun sieben der eingeladenen Gäste an die geschmückten Stehtische zu rufen, ihre wohldurchdachten Fragen zu stellen und das Gespräch im Stil des TV-Moderators Plasberg zu moderieren.

Zunächst kamen wir an die Reihe mit Fragen wie: „Wo haben Sie (Ilker Duyan) als Moslem Ausgrenzung und Anfeindung erlebt und wie haben Sie darauf reagiert?“ Peter-M. Utasch wurde gefragt, wie er als evangelischer Pfarrer zu der Arbeit in einem interreligiösen Team gefunden hat. Melanie Hermann schilderte in ihrer Antwort auf die Frage nach den Aufgaben des Jüdischen Forums unsere Arbeit in den beiden Schulprojekten zu den Themen Antisemitismus und Rassismus.

Im fortlaufenden Gespräch ging der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Brandenburger Landtag auf die Hasstiraden in den sozialen Medien ein. Dabei verglich er manche _MG_1144Hemmungslosigkeiten auch in den Formulierungen mit populären Stammtisch-Gesprächen. Er wies aber auf einen wesentlichen Unterschied hin. Er sagte etwa: „Das Stammtisch-Gespräch endet in der Regel im Alkohol und dann im Bett, und am nächsten Morgen beginnt ein neuer Tag. In den sozialen Medien hat dieselbe Wortwahl aber Folgen. Andere Menschen identifizieren sich damit und verbreiten solche Verallgemeinerungen oder auch Hass-Parolen als überlieferte und zutreffende Beschreibungen und Urteile. Auf diese Weise kann sich der Hass potenzieren, und Feindbilder können in die Welt gesetzt werden, so dass Hemmungen verloren gehen und Dämme brechen.“

Der frühere Schulleiter und heutige Bildungsdezernent des Landkreises erinnerte zum Thema Antisemitismus daran, dass die meisten Jugendlichen noch nie Kontakt zu jüdischen Menschen hatten, und wenn doch, dann sind es hochbetagte Zeitzeugen der Shoa. Er erzählte dann von Jugendlichen, die zum ersten Mal gleichaltrigen Juden begegnet sind. Das war eine ganz neue Erfahrung für die nichtjüdischen Jugendlichen. Mann konnte sich ganz selbstverständlich untereinander und auf Augenhöhe über gemeinsam interessierende Themen und Musikrichtungen austauschen.

Astrid Jung als Vertreterin der RAA Neuruppin lobte das soziale und politische Engagement des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums und erzählte dann von ihren Projekten an verschiedenen Schulen des Landes Brandenburg, die interkulturelle und interreligiöse Vielfalt darstellen und unterstützen sollen.

_MG_1081Zum Abschluss der sehr lebendigen und informativen Runde forderten die moderierenden Schüler die Gesprächsteilnehmer einzeln auf, mit nur einem Satz die Frage zu beantworten: „Was würden sie einem Pessimisten antworten, der behauptet, Rassismus und Antisemitismus wird es immer geben, egal was man dagegen tut?“

Die Antworten bewegten sich zwischen hoffnungsvolle Appellen und auch einer gewissen Resignation. Melanie Herrmann zeigte sich überzeugt, dass gesellschaftlich geformte Verhaltensweisen und Urteile sich auch irgendwann und allmählich abbauen ließen. Auch Ilker Duyan will seine Hoffnung nicht aufgeben, und Peter-M. Utasch meinte, Unterschiede zwischen Menschen und Menschengruppen seien ganz  normal. Und mit einigem Selbstbewusstsein, wie es Einzelmenschen wie auch Menschengruppen entwickeln können, lassen sich solche Unterschiede sogar nutzbar machen, ohne andere Menschen oder Menschengruppen abzuwerten, auszugrenzen oder gar vernichten zu wollen.

Der Vormittag endete mit anregenden informellen Gesprächen zwischen allen Teilnehmern und mit neuen Kontakten. Jetzt wurden von einigen Schülerinnen auch noch sehr appetitlich hergerichtete Häppchen und Getränke gereicht. Und wir waren als Team des Jüdischen Forums des Lobes und der Anerkennung voll!

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”