EINE NEUE HERAUSFORDERUNG LERNWERKSTATT, PAULUS-PRAETORIUS-GYMNASIUM in BERNAU

Mitte Juli sind die Zeugnisse geschrieben, der Unterricht abgeschlossen. Für den letzten Schultag haben die Schüler_innen des Gymnasiums einen Projekttag vorbereitet mit an die 30 verschiedenen Seminaren und Projekten: von Tanz über Öko-Themen bis zu unserer Lernwerkstatt „Vorurteile abbauen – Antisemitismus bekämpfen“, die im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ angeboten wurde. 30 Schüler der Klassen 9 und 10 hatten sich eingetragen, 17 Schüler waren zu uns gekommen. Unsere Lernwerkstatt ist für einen Zeitraum von dreimal 90 Minuten aufgebaut. An diesem Projekttag standen uns nur zweimal 90 Minuten zur Verfügung. Wir mussten also unser umfangreiches Programm um ein Drittel kürzen und verändern.

Die Vorstellungs- und Namensrunde verlief wieder sehr lebhaft und interessant. Immer wieder von neuem kommen wir in Gespräche über unsere Vornamen, die uns unsere Eltern oder auch Großeltern aus den unterschiedlichsten Gründen gegeben haben. Irgendwann identifiziert sich der Mensch über seinen Namen, wird zu einer unverwechselbaren Persönlichkeit mit einer ganz eigenen Geschichte und Herkunft._MG_2047 A

Das Thema Vorurteile schien die Schüler zunächst nicht sehr zu bewegen. Dennoch hörten wir so gängige Stereotype wie „Alle Muslime sind Terroristen“ oder auch „Alle Juden sind reich und beherrschen die Welt“. Auf sein Plakat schrieb ein Schüler am Ende des Workshops seinen treffsicheren Kommentar mit dem nicht ganz zitierbaren Satz: „Ein Vorurteil ist wie ein A…loch – jeder hat eins.“

_MG_2055 AAn diesem Tag war unser Teammitglied Levi Salomon gleichzeitig in einer anderen Schule aktiv, so dass wir seine jüdische Stimme mit vertreten mussten. Zusammen mit Ilker Duyan als muslimischem Vertreter stellte der evangelische Theologe Peter-M. Utasch die wesentlichen Zusammenhänge zwischen den religiösen Grundschriften der drei Religionen Judentum, Christentum und Islam dar. Die Schüler wunderten sich darüber, dass bei so viel Verbundenheit zwischen der Hebräischen Bibel, dem Neuen Testament und dem Koran bis heute immer wieder – und das seit Jahrhunderten – Unverstand und Abwertungen gegenüber der einen oder anderen Religion sowie deren Vertretern laut werden._MG_2050 A

Unser weibliches Teammitglied Melanie Hermann ist Historikerin und versteht sich als Atheistin. Sie wandte sich den Themen Rassismus und neuzeitlicher Antisemitismus zu. Die Schüler äußerten sich geradezu schockiert über ein Video von Demonstrationen mit massiv antisemitischen Parolen, wie sie auf den Straßen Berlins gezeigt wurden, mit den uralten judenfeindlichen Stereotypen, die Juden als Kindermörder bezeichnen oder mit Teufels-Attributen versehen. Aber auch Verschwörungstheorien von links- oder auch rechtspolitischen Demonstranten anlässlich der Bilderberg Konferenz 2016 in Dresden weckten die Aufmerksamkeit der Jugendlichen.

Hier wären vertiefende Gruppengespräche hilfreich gewesen. Dazu fehlte uns die Zeit. In unserem Auswertungsgespräch mit der Lehrerin Ute P/S im Anschluss an den Workshop dachten wir gemeinsam über unterschiedliche Methoden nach. Zum Beispiel könnten wir weniger in historischer Chronologie vorgehen, wenn wir die Wurzeln des Antisemitismus aufdecken wollen. Stattdessen könnten wir uns stärker auf die aktuellen Erscheinungsformen konzentrieren und mithilfe gelegentlicher Exkurse auch auf die Wurzeln von Antisemitismus und Rassismus eingehen.

_MG_2089 AAm meisten haben uns die Schüler beeindruckt, als sie begannen, ihre eigenen Eindrücke und Ideen in ihrer Plakatgestaltung aufzuarbeiten. Zwei Schüler stellen auf ihrem Plakat die gar nicht so leicht zu beantwortende Frage: „Was spricht (eigentlich) DAFÜR, GEGEN andere Menschen zu sein???“ Und eine andere Zweier-Gruppe bringt mit ihrem Plakat unser Thema auf den Punkt: „Dämonisierung von Juden heißt Antisemitismus.“

Sehr viel Beifall bekam ein Plakat, das eine Demo mit ganz vielen Strichmännchen zeigt. Einige halten Plakate in der Hand. Im Vordergrund zwei große Strichmännchen mit ihrem Plakat: „Judenhass – NEIN DANKE!“ Unter die beiden Strichmännchen klebten die beiden Schüler_innen wie ein Bekenntnis ihre eigenen Namensschilder: MAX und CARO.

Bericht Plakatausstellung: Was spricht DAFÜR, GEGEN andere Menschen zu sein?

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”