GESCHEITERT ??? – NICHT WIRKLICH! Lernwerkstatt in der Theodor-Heuss-Schule, Berlin-Moabit

Während der Auswertung zum Abschluss unserer Lernwerkstatt in der Theodor-Heuss-Schule mit 24 Schüler_innen der 9. Klasse meinte Ilker – unser türkisches Team-Mitglied: „Auch wenn die Schüler nur zehn Prozent von dem mitgenommen haben, was wir mitbringen und persönlich verkörpern, dann hat sich unsere Arbeit mit den Jugendlichen gelohnt!“

Schon unsere Vorstellungs- und Namens-Runde machte die Vielfalt der Identitäten und unterschiedlichen Migrationshintergründe deutlich: Unser Team war wieder in interkultureller und interreligiöser Zusammensetzung vor Ort. Die Schüler kamen sowohl aus arabischen Ländern wie auch als Muslime aus der Türkei und Bulgarien. Von den drei deutschen Schülern meinte einer sehr stolz und in der Denkweise deutlich älterer Zeitgenossen: „Ich bin Deutscher in 5. Generation!“ Auf die Frage, woher denn seine 6. Generation stamme, antwortete er: „Aus Italien.“

Die vielen und für manche Ohren sehr fremd klingenden Namen öffneten uns den Weg zu unserem Thema: Gelingendes Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Religion und Mentalität. Gleichzeitig war uns ein sehr lebhafter und nachhaltiger Auftakt für die zwei Vormittage an der Schule gelungen. Als wir nach 10 Tagen mit dem 2. Teil unserer Lernwerkstatt auftraten, erzählte man uns, sogar in der Nachbarklasse hätte man darüber gesprochen, dass wieder ein aus Russland stammender Jude mit Namen LEVI, ein seit Jahrzehnten in Deutschland lebender Türke namens ILKER und ein richtiger Pfarrer mit Namen PETER in die Schule kommen werden.

Trotz unserer zahlreichen Erfahrungen an den sehr unterschiedlichen Schulen waren wir verblüfft darüber, in welch starkem Masse sich Vorurteile besonders gegenüber Juden verfestigt hatten – bei Schülern, die Juden ja lediglich aus Gesprächen der Erwachsenen und aus dem täglichen Konsum aller möglichen Medien kannten.

CIMG2183 AJuden wurden einerseits als intelligent und reich, aber auch als Beherrscher der Welt beschrieben. Auch so uralte Maximal-Stereotype wie Juden als Kindermörder und Schweine sind den Jugendlichen geläufig. Ein türkischer Junge behauptete, dass alle von den Nazis vertriebenen Juden heute in Amerika leben und von da aus mit ihrem Geld die Welt beherrschen.
Auf ein Plakat von einer Demonstration in Berlin angesprochen mit dem Slogan: „Juden morden Kinder.“ und „Das Kinderblut wird bei Mc Donald verarbeitet.“, antwortete ein arabischer Jugendlicher: „Ist es denn wirklich bewiesen, dass da kein Kinderfleisch (sic!) drin ist?“

Es gab ein schönes Zusammenwirken von Ilker Duyan als Muslim und dem evangelischen Pfarrer Peter-M. Utasch. Der Theologe zeigte seine Hebräische Bibel, die Christen das „Alte Testament“ nennen und daraufhin sein Neues Testament, um deutlich zu machen, wie das eine aus dem anderen entstanden ist und beide religiösen Schriftsammlungen zusammenhängen. Ilker hatte seinen Koran in arabischer, türkischer und deutscher Sprache mitgebracht. Und wir konnten darstellen, dass die drei religiösen Bücher genauso miteinander verwandt sind wie viele der unterschiedlichen Vornamen der Schüler aus jüdischer, christlicher oder muslimischer Herkunft._MG_1736A

Dennoch sind Bedenken angebracht, wie viele unserer inhaltlichen Wünsche und pädagogischen Erwartungen bei den Schülern tatsächlich angekommen sind.
Der zweite Vormittag verlief auch darum viel weniger konzentriert, weil am gleichen Tag die Schüler anderer Klassen ihren „Abitur-Streich“ veranstalteten, bei dem Lehrer mit Wasser bespritzt wurden und es im ganzen Schulbereich viel spassige Unruhe gab.

_MG_1710ABei der Gestaltung von Plakaten zu den Themen Rassismus und Antisemitismus zeigten sich die meisten Schüler unkonzentriert und abgelenkt. Gleichzeitig aber nutzten die Teamer die Gelegenheit zu Gesprächen in kleinen Gruppen.
Ein Schüler meinte: „Bilder einfach raufkleben, und fertig!“ Andere Schülerinnen gaben sich mehr Mühe. Auf ihr Plakat zum Thema Antisemitismus malten sie eine liegende Acht als multikulturelles Zeichen für Ewigkeit („forever“ wie sie sich ausdrückten). Dann schrieben sie „JUDEN“, „ISLAM“ und „CHRISTEN“ dazu. Und der Vollständigkeit halber fügten sie noch „ANDERE RELIGIONEN“ hinzu: Alle Religionen würden trotz mancher Unterschiede irgendwie zusammengehören – „forever“. Und daneben schrieben sie den Satz: „Gemeinsam sind wir stark“.
Während der hier zweigeteilten Lernwerkstatt haben wir Peter Ewertz kennengelernt, der in beeindruckender Weise nahe an seinen Schülern ist und gleichzeitig als Klassenlehrer den nötigen Abstand und eine angemessene Autorität aufbringt. In einem ausführlichen Auswertungsgespräch bestätigte er unseren Eindruck, wie festgefahren manche Vorstellungen von anderen Menschen und besonders von Juden unter seinen Schülern zu sein scheinen, obwohl die Schüler bereits an verschiedenen Projekten zu ähnlichen Themen teilgenommen hätten. Im Team stimmten wir darin überein, dass an anderen Schulen unsere Bemühungen mehr Erfolg sichtbar gemacht hätten. Gleichzeitig waren wir uns darin: Es gibt keine falschen Menschen, wohl aber unterschiedliche und nicht immer ausreichend erkannte Zugangswege.

Herr Ewertz lud uns zu weiterer Zusammenarbeit mit sich und an seiner Schule ein.

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”