PRÄSENTATION EINMAL GANZ ANDERS

Carl-Legien-Schule (OSZ), Berlin-Neukölln am 9.11.2016

Während die Schülerplakate in anderen Schulen vor einem größeren Publikum präsentiert wurden, hat sich das Team in Übereinstimmung mit der Klassenlehrerin dieses Mal ganz anders entschieden. Es waren in dem vorausgegangenen Workshop im Mai (vgl. den Bericht vom 26.5.2016) ohnehin nur vier Collagen entstanden, die nun im Klassenraum der anwesenden 10 Schüler angebracht wurden. Ohne fremde Betrachter sahen sich die Schüler_innen allerdings kaum herausgefordert, die eigenen Arbeiten erneut zu reflektieren.a1dsc_4580
Dagegen äußerten die überwiegend muslimischen Jugendlichen wie schon vor Monaten ein großes Interesse an Darstellungen, Urteilen und Geschichten aus dem eigenen religiösen Hintergrund. Darum schlug das wieder inter-religiös aufgestellte Team den Schüler_innen vor, religiöse Regeln und Praktiken aus der jeweiligen Religion zu betrachten und Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zwischen dem Islam, dem Judentum und Christentum zu erörtern. Und schon entbrannte ein anregender bis leidenschaftlich geführter Austausch der Schüler_innen untereinander und im Dialog mit unserem Team. Zwei nichtmuslimische Jugendliche ohne erkennbar religiöse Prägung lauschten umso aufmerksamer dem nun folgenden Gespräch. Bei den Darstellungen von Speise- und Fastenregeln stellten die Jugendlichen schnell zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen Islam und Judentum fest.
Was ist für Juden „kosher“, und was wird von Muslimen als „halal“ beurteilt. Beide Begriffe wurden dahin interpretiert, dass sie ein Verhalten kennzeichnen wollten, das dem  Menschen nützt und nicht schadet. Was Menschen schadet, wird im Islam als „haram“ bezeichnet und ist somit verboten. Zwischen „halal“ und „haram“ liegt im Islam ein weiterer Begriff, der mit „mekruh“ bezeichnet wird. Er will sagen: „es ist nicht verboten, aber auch nicht wirklich erlaubt“, weil es nämlich schaden kann, aber nicht schaden muss. Auf die Frage, was denn damit wohl gemeint sein könnte, hörten wir die Antwort. „rauchen“ und „falsche Musik“.

Aber auch christliche Gebräuche wurden reflektiert. Natürlich kamen religiös begründete Regeln im Verhältnis zwischen Männern und Frauen zur Sprache und relativierten sich schnell im Vergleich mit den sehr unterschiedlichen Gruppierungen innerhalb der jeweiligen Religionen. Ein Schüler erzählte besonders stolz von der Hochzeit seiner Schwester, die vor wenigen Jahren nach streng muslimischem Brauch Hochzeit gefeiert hat. Bedauernd fügte er hinzu, dass die Ehe bereits wieder geschieden sei. dsc_4647Ein aus Jugendlicher überraschte uns mit der Bemerkung: „Im Islam ist alles ganz einfach. Das eine ist verboten, das andere ist erlaubt.“ Auf die Frage, woher er das so genau wisse, und ob er den Koran überhaupt gelesen hätte, antwortete er sehr überzeugt: „Der Prophet hatte für alles seine Gründe. Da gibt es keine Fragen. Du musst dich einfach nur daran halten.“ Dennoch konnten  im Gespräch zwischen Menschen mit ziemlich unterschiedlicher religiöser und kultureller Prägung viele Gemeinsamkeiten festgestellt werden. Es kam geradezu so was wie eine Atmosphäre religiöser Toleranz auf.

„Hass gegen Juden, Christen oder andere find ich aufrichtig Sch …. Voll sinnlos! So behindert (sic!) muss man nicht sein!“ Diese Worte hörten wir von einem muslimisch geprägten und religiös geschulten Jugendlichen, der nur wenige Monate zuvor noch offen und ungehemmt seinen mitgebrachten Antisemitismus herausgestellt hatte.

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Das alles und noch einiges mehr fand in einer Zeiteinheit von 90 Minuten statt. Wir gingen so bereichert und erleichtert aus der Schule, wie wir es unter den Schülern auch gespürt haben.

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”