WIE HÄLTST DU ES MIT DER RELIGION?

Workshop, Eckener-Gymnasium, Berlin-Mariendorf, Nov. 2016
Das inter-kulturelle Team des Jüdischen Forums war in einer Schule zu Gast, die in ihrem Leitbild schildert, wie die Kontinuität gewachsener Werte und Normen das tägliche Miteinander bis heute unverwechselbar prägen. Und eine staatliche Evaluation lobt das soziale Engagement und die Toleranz der Lehrer ebensowie das positive soziale Klima im Unterricht. Der gegenseitige Umgang wurde als offen, freundlich und respektvoll beschrieben. Das warimg_4004 auch unser Eindruck.

Schon zu Beginn unseres Workshops entwickelte sich schnell ein anregendes Gespräch über die Bedeutung und vor allem auch die Herkunft der Vornamen aller Anwesenden. Man sprach über familiäre Traditionen und Entscheidungen, die zu der jeweiligen Namensgebung geführt haben. Viele Namen ließen einen christlichen bzw. kirchlichen Hintergrund des jeweiligen Vornamens erkennen, andere ließen auf muslimische Traditionen schließen.

Eine für das Team überraschende Entwicklung nahm das Unterrichtsgespräch zum Thema Vorurteile. Nach einigen Reflexionen zu nützlichen und auch sehr negativen Vorurteilen gegenüber Menschen und Menschengruppen lenkten die etwa 25 Jugendlichen der Klassenstufe 9 das Gespräch immer wieder auf religiöse Themen. Als das Team verbreitete Vorurteile gegenüber Muslimen kritisch ansprach, stellte sich heraus, dass einige der teilnehmenden  Schüler_innen bereits mehrere unterschiedliche muslimische Traditionen vertraten. Andere Schüler kamen aus christlichen oder eher religionsfernen Elternhäusern. Umso erstaunter war das Team, wie wissensdurstig und zugleich kritisch ständig neue Fragen zu den jeweiligen Religionen gestellt wurden.

Auf solche Fragen wie „Wie stehen die sehr verschiedenen muslimischen Glaubensrichtungen zueinander?“ antwortete Ilker Duyan, unser muslimischer Teamer, unter anderem mit dem Verweis auf die kulturelle Vielfalt muslimischer Menschen und Gemeinschaften. Diese Menschen brauchten auch untereinander viel mehr gegenseitige Akzeptanz, als die Tagesnachrichten zu erkennen geben. Auch das Verhältnis von jahrhundertealter Tradition und notwendiger Anpassung an das Leben in der Gegenwart wurde diskutiert.

Dann wieder ging es um jüdische und christliche Themen. Zunächst gingen Fragen an  Peter-M. Utasch als evangelischer Theologe. Wie wird man denn ein Christ? Und was macht einen Christen zu einem solchen? Ist es die Taufe? Aber als Kleinkind hat man ja gar keinen Einfluss auf die elterliche Entscheidung. Muss man als Christ ganz bestimmte Glaubensbilder übernehmen, oder ist das ethische Verhalten der Christen für ihr Christsein entscheidend? Und was ist, wenn ein Christ zum Judentum konvertiert? Oder zum Islam? Bleibt er durch die Taufe trotzdem ein Christ?

img_4091Unser jüdischer Teamer Levi Salomon stellte eine Nähe zwischen dem jüdischen Ritual der Beschneidung und der christlichen Taufe her. Beide Initiations-Rituale gliedern meist Kleinkinder in die jeweilige religiöse Gemeinschaft ein und können nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Die Fragen der Jugendlichen wurden immer intensiver, so dass wir unseren vorgesehenen Themenplan den unüberhörbaren Interessen der Schüler unterordneten. Es war den meisten Schülern wichtig, dass sie selber entscheiden wollten, ob und in welche Richtung sie sich religiös oder weltanschaulich orientieren.

Der zweite Tag unserer Lernwerkstatt begann mit Hass-Urteilen gegenüber Juden. Es wurden in Abänderung vormaligen Herangehens drei Gruppen gebildet. Jede Gruppe bekam 15 Fotos mit judenfeindlichen Bildern aus neun Jahrhunderten bis in unsere  Gegenwart. Egal ob Juden als Teufel dargestellt werden, ob ihnen vorgeworfen wird, dass sie Kinder töten oder ob sie als Wucherjuden die Welt unglücklich machten, die Hassbilder haben sich seit dem Mittelalter nicht verändert. Das fanden die Jugendlichen schnell heraus, in dem sie entsprechende Fotos thematisch und zeitlich ordneten und einander vorstellten.

Nach einer Erholungspause kamen die Schüler_innen wieder zusammen. Jetzt konnten sie Eindrücke und Lernergebnisse aus dem Workshop künstlerisch umsetzen in Gestaltung eigener Plakate zu Themen wie Antisemitismus, Rassismus und weiteren Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. In kleinen Interviews erzählten die Schüler, welche Erlebnisse dazu geführt haben, mit ihrem Plakat gerade diese oderjene Aussage zu vertreten und wen sie mit ihrer Botschaft erreichen wollen.

Unser Team war jedenfalls beeindruckt davon, wie interessiert die Jugendlichen die angesprochenen Themen aufgenommen und eigenständige Antworten gesucht und gefunden haben.img_4105

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”