EINE LITFASS-SÄULE FÜR DEMOKRATIE UND GEGEN ANTISEMITISMUS

Workshop im Ernst-Litfaß-Schule – Oberstufenzentrum, 16. Nov. 2016

Wer in Berlin kennt nicht die von dem Berliner Druckereibesitzer und Verleger Ernst Litfaß benannte Litfaß-Säule? Damals wurde die geniale Erfindung genutzt für Plakat-Werbung, aber auch für Siegesmeldungen und Kriegsdepeschen während des Krieges gegen Frankreich 1871. Heute ist Ernst Litfaß Namensgeber für die Ernst-Litfaß-Schule – Oberstufenzentrum Mediengestaltung und Medientechnologie in Berlin-Reinickendorf. Unser interkulturelles Team war nun hier mit seinem Workshop „Vorurteile abbauen – antisemitische Ressentiments bekämpfen“ zu Gast. Und die Schüler-Plakate, die am Ende unserer Lernwerkstatt entstehen, werden in der Schule dieselbe Beachtung beanspruchen wie an einer Litfaß-Säule.

img_4004Vorerst aber machten wir uns mit den Schüler_innen der Oberstufe bekannt, die sich zu unserem Workshop angemeldet hatten. Es waren wieder die Namen der Schüler und Teammitglieder, die so vieles erzählten über die Biografien der Beteiligten. Alleine unser Team bot aufgrund der unterschiedlichen Namen und Herkunftsländer eine beeindruckende Vielfalt. Levi Salomon als Sprecher des Jüdischen Forums ist in Russland aufgewachsen, Ilker Duyan als muslimischer Vertreter stammt aus Istanbul, und Peter-M. Utasch ist evangelischer Pfarrer und in der DDR zur Schule gegangen.

Auch die Jugendlichen erzählten von der Bedeutung ihrer Namen und vor allem von ihrer Herkunft aus der Türkei, Thailand und weiteren Ländern. Ein Jugendlicher trug einen arabischen Namen, der soviel heißt wie „Der Unabhängige“. Die Namen einiger Mädchen bezeichneten in verschiedenen Kulturen soviel wie Schönheit oder Klarheit. Ein Jugendlicher trug den Namen eines zentralasiatischen Militärführers und Eroberers mit islamischem Glaubens am Ende des 14. Jahrhunderts. Er erzählte, wie seine aus Deutschland einst nach Russland ausgewanderte Familie während des 2. Weltkriegs nach Sibirien deportiert, dann nach Kasachstan umgesiedelt und schließlich wieder nach Deutschland gekommen ist. Eine Schülerin erzählte von dem Leben ihrer christlichen Familie in einer muslimischen Mehrheitsgesellschaft. Vor uns tat sich ein weites Feld unterschiedlichster Biografien und kultureller Vielfalt auf.

Darum beteiligten sich die Schüler_innen auch gerne an der folgenden Einheit, in der es um Vorurteile ging. Manche hatten es erlebt, aber niemand hatte Verständnis dafür, dass immer noch Menschen ausgegrenzt werden, weil sie andere Merkmale zeigten, andere Namen trugen oder durch eine andere Kultur oder Religion geprägt waren als die Mehrheitsgesellschaft. Die Schüler schrieben beispielhafte Vorurteile auf Zettel, die danach anonymisiert vorgetragen wurden. „Mein Vater wurde mal für einen Flüchtling gehalten – nur wegen seines Äußeren.“ Auf einem Zettel stand: „Dem Vater wurde vorgeworfen, einen Dönerladen zu besitzen, weil er Türke ist.“ Auf einem anderen: „Als Frau muss man kochen können. Ich kann das aber nicht.“ Oder eine Schülerin schrieb, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe als Elefant beschimpft wurde. So hatten wir Gelegenheit, die Funktion und das Funktionieren von Stigmatisierungen anderer Menschen oder Menschengruppen aufgrund von Vorurteilen zu erarbeiten.

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Kaum einer der Jugendlichen kannte Juden oder hatte Kontakte oder Kenntnisse über das Judentum. Aber sie hörten aufmerksam zu, als ihnen die unmittelbaren Verbindungen der drei monotheistischen Religionen untereinander dargestellt wurden. Und aus eigener Erfahrung konnten sie nachempfinden, wie grausam und unsinnig die stereotypen Feindbilder sich auswirken, mit denen Juden seit Jahrhunderten abgewertet und ausgegrenzt werden. Einige wussten von den Vernichtungsstrategien der Nationalsozialisten bis hin zum millionenfachen Holocaust. Aber in welchem Maße dieselben Feind- und Hassvorstellungen gegen Juden bis in die Gegenwart wirken und sich auch immer wieder vermischen mit einer politischen Kritik an der Regierung Israels, war manchen Jugendlichen neu.

Sie verarbeiteten ihre eigenen Erfahrungen und neu hinzugewonnenen Eindrücke mithilfe der nun zu gestaltenden Plakat-Collagen.

Ein Schüler kommentierte sein Plakat mit den Worten: „Jede Religion soll mit anderen Religionen zusammenhalten. Juden, Christen und Muslime gehören wie in einem großen Menschenherz zusammen. Auch die Homosexuellen sollen nicht draußen bleiben. WIR SIND ALLE EINS!“img_4002

Bericht Plakatasusstellung: Lasst die Hand nicht zur Faust werden!

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”