ABER WARUM MACHEN DIE DAS DENN, GIBT ES EINEN GRUND?

Präsentation von Schüler-Plakaten in der Voltaire-Gesamtschule Potsdam am 23.11.2016

Schüler_innen der 9. Klasse hatten an dem Workshop „Vorurteile abbauen – antisemitische Ressentiments bekämpfen“ bereits im Januar 2016 teilgenommen und ihre Lernergebnisse mit ihren Plakaten zum Ausdruck gebracht. Inzwischen hat ein neues Schuljahr begonnen. Trotzdem kamen einige der Schüler zusammen, um ihre selbst gestalteten Plakate den Jugendlichen einer Parallelklasse vorzustellen.

img_4129Das Team des Jüdischen Forums nutzte die ungewohnte zeitliche Distanz von 10 Monaten zwischen Gestaltung und Präsentation der Schülerplakate gleich in zweifacher Hinsicht. Zum einen wurden die Jugendlichen mit ihren eigenen Plakaten erneut konfrontiert, wobei sie nun ihre eigene Arbeit aus zeitlichem Abstand betrachteten. Und gleichzeitig waren sie herausgefordert, gegenüber den Schülern ihrer Parallelklasse die eigenen Arbeiten und Auffassungen zu vertreten.

Die Jugendlichen beider Klassen waren durch ihre Religionslehrerin, Frau Boni-Jacobi, auf die Themen unserer Lernwerkstatt hervorragend vorbereitet. Sie erzählten zum Beispiel von Potsdamer „Stolpersteinen“, die an eine jüdischen Familie erinnern, die ihre Kinder während der Zeit des Nationalsozialismus gerade noch ins Ausland retten konnte, bevor die Eltern deportiert und getötet wurden. Die Schüler hatten nicht nur die Neue Synagoge in Berlin besucht, sondern auch an einer Führung durch eine Moschee teilgenommen.

So trafen unser interkulturelles Team auf viel Aufmerksamkeit und eine große Bereitschaft, die Aussagen der Plakate aufzunehmen und zu reflektieren. Als erstes wurde ein Plakat vorgestellt, auf dem Schüler die Frage der Aufnahme von Geflüchteten in Zusammenhang stellten mit Intoleranz gegenüber homosexueller Lebensweise. Daraufhin erzählte Levi Salomon als Gründer und Sprecher des Jüdischen Forums von der Zusammenarbeit des Forums mit dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland e. V. (LSVD) in gemeinsamer Auseinandersetzung mit Erscheinungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft.

Auf den anderen Plakaten hatten die Schüler sich mit judenfeindlichen Hassbildern auseinandergesetzt. Hierbei verglichen sie derartige antijüdische Stereotype aus dem Mittelalter mit solchen aus der Zeit der Judenverfolgung im Nationalsozialismus. Die Jugendlichen der Parallelklasse erschraken darüber, dass die Hassbilder der Nazis denen aus dem Mittelalter bis in die Details glichen. Zu beiden Zeiten wurden Juden als Teufel dargestellt, aber auch als solche die Kinder schlachten oder die mit ihrem vermeintlichen Vermögen andere Menschen betrügen und beherrschen. Dass derlei antijüdische Hetze nicht nur der Vergangenheit angehört, hatten die Schüler ebenfalls zum Ausdruck gebracht. Sie hatten für ihre Plakate Bilder von Demonstrationen der Gegenwart ausgewählt, auf denen Juden etwa als Kindermörder beschuldigt und dargestellt werden.

Einige der anwesenden Schüler waren so erschüttert, dass sie immer wieder dieselbe Frage stellten: ABER WARUM MACHEN DIE DAS DENN, GIBT ES EINEN GRUND?

Die Schüler erschraken darüber, dass einige der Hassbilder auf den Demonstrationen von Kindern getragen wurden oder eine Teufels-Karikatur mit dem Davidstern von Kindern auf den Straßenasphalt gemalt wurde. Wie kommen die Kinder zu solchen Vorstellungen? – Das können ihnen doch nur Erwachsene, wahrscheinlich die eigenen Eltern eingeredet haben, lautete die übereinstimmende Antwort.img_4165

Aber was haben die Menschen davon, wenn sie Juden seit Jahrhunderten verteufeln?

Um solche Fragen zu beantworten, war erneut unser interreligiöses Team gefordert.

Levi Salomon sagte, dass kein Mensch als Antisemit geboren wird. Und dann erzählte er, wie er als Kind in Gemeinschaft mit muslimischen und christlichen Kindern aufgewachsen ist und erst später Diskriminierungen als Jude in der ehemaligen Sowjetunion erlebt hat.

Ilker Dyan konnte als muslimischer Gesprächspartner ähnliche Erlebnisse wiedergeben, als er noch als Kind in Istanbul zusammen gelebt hat mit Menschen aus verschiedenen Religionen. Um so entsetzter und enttäuschter wäre er über religiöse Intoleranz auch innerhalb des Islam.

Und Peter-M. Utasch musste als evangelischer Pfarrer und Mitarbeiter im Jüdischen Forum immer wieder darauf antworten, wie es zu der jahrtausendealten und bis heute erkennbaren Abwertung von Juden innerhalb des Christentums kommen konnte.

Manche Fragen blieben offen. Aber viel Beifall ihrer Mitschüler bekamen zwei Jugendliche für ihre Antwort, die sie in die Mitte ihres Plakates geschrieben hatten: HANDELT MENSCHLICH. HANDELT GEGEN ANTISEMITISMUS!img_9656

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”