LASST DIE HAND NICHT ZUR FAUST WERDEN!

Plakat-Präsentation im Ernst-Litfaß-Oberstufenzentrum, 21. Dez. 2016
Um es vorweg zu sagen, die Präsentation der Schüler-Plakate fand statt unter dem Eindruck des verheerenden Anschlags mit vielen Toten und zahlreichen Verletzten auf einem Berliner Weihnachtsmarkt.
Nach der Begrüßung der teilnehmenden Schüler_innen aus zwei Oberstufen-Gruppen, der anwesenden Lehrerinnen und unseres Teams durch den Schulleiter, Herrn Förster, erinnerte Levi Salomon an die Bluttat, die erst zwei Tage zurücklag. Seiner Botschaft stimmten Jugendliche wie Erwachsene zu: „Die Attentäter wollten uns alle im Magen treffen. Wenn wir aber unsere Lebensart deshalb ändern, dann haben die gewonnen. Dann gibt es auch keine normale Schule mehr. Wir wollen Vielfalt und Berlin als weltoffene Stadt. Und wir feiern wie in jedem Jahr Weihnachten und das jüdische Lichterfest Chanukka – auch öffentlich.“a-img_5392
Damit waren 90 Minuten anregender Gespräche zwischen den Jugendlichen untereinander sowie mit dem wieder interkulturell und interreligiös aufgestellten Team eröffnet. Zunächst trat ein Schüler vor aus der Gruppe, die an dem vorausgegangenen Workshop nicht teilgenommen hatte. Er wählte eins der an Stellwänden befestigten Plakate aus und erzählte den Schülern, die das betreffende Plakat entworfen und gestaltet hatten, wie es auf ihn wirkt und warum er gerade dieses interpretieren wollte. Ihm war das Plakat mit der Friedenstaube hinter Gittern „gleich ins Auge gesprungen“. Und er sagte dazu weiter: „Die Friedenstaube braucht Freiheit, damit sie uns vereinen kann, damit wir uns nicht bekämpfen.“
Ein anderes Plakat zeigte eine große Hand, deren Finger unterschiedliche  Religionen und Kulturen darstellten. Unter das Hand-Symbol hatten die Schüler ihre Botschaft geschrieben: LASST DIE HAND NICHT ZUR FAUST WERDEN! Auf dem Plakat war das Schülerzitat zu lesen: „Wir leben alle aus der gleichen Hand. Alle auf einem Planeten. Darum wollen wir die Hand nicht zur Faust ballen. Wie die Finger an einer Hand zusammengehören, so sollen sich auch die Religionen verhalten. Die offene Hand bedeutet: Wir halten zusammen.“a-img_5384
Ein Schüler wies auf ein Plakat, das den Slogan trug „Antisemitismus bekämpfen“ und sagte: „Das Wort BEKÄMPFEN drückt Gewalt aus. Wir wollen uns aber von dieser Gewalt abwenden. Wir sollten lieber ein anderes Wort wählen.“ Ein anderer Schüler schlug unter Beifall stattdessen vor: „Wir nehmen das BEKÄMPFEN komplett raus und schreiben einfach nur FÜREINANDER.“
Teammitglied Max Bursche griff das Wort ANTISEMITISMUS auf und erläuterte den Schülern, welche Kultur- und Sprachverwandtschaften als semitisch bezeichnet werden, darunter die aramäische Ursprache, das Hebräische wie das Arabische und auch die verbreitetste Sprache in Äthiopien. Juden, Araber und Äthiopier sind also Semiten. Wie sinnlos erscheint dann aber ein sich behauptender Antisemitismus – möglichst noch zwischen semitischen Kulturen untereinander?
Ilker Dyan ging als muslimischer Teamer erneut auf das Thema Gewalt ein und erinnerte an den Freund seines Sohnes, der auf der Flucht vor gleichaltrigen Verfolgern in Berlin von einem Auto überfahren wurde. Gewalt – so sein Kommentar – ist in Menschen aller Kulturen und Religionen anzutreffen und darum nicht auf eine Menschengruppe zu beschränken.
Das letzte Plakat zeigte die Weltkugel umgeben von den drei monotheistischen Religionen. Der Kommentar eines Jugendlichen: „Bei Religionskämpfen leidet auch die Erde!!! Alle Religionen sollten nebeneinander existieren und nicht gegeneinander agieren.“ führte zu der Frage an den evangelischen Theologen Peter-M. Utasch nach dem Sinn und der Entstehungsgeschichte von Religionen. Aber schon waren Schülerantworten zu hören wie: „Religionen fragen nach dem Sinn des Lebens auch über den Tod hinaus.“ Oder auch: „Religionen wollen Leben erhalten und den Menschen Hoffnung geben.“ Ein Schüler erinnerte sich sinngemäß an ein Wort des Dalai Lama: „Religionen sind wie Gewürze, und Ethik ist das Wasser. Gewürze machen Speisen gehaltvoller. Wir können auch ohne Gewürze leben, aber nicht ohne Wasser.“
Unser Team jedenfalls war einigermaßen beeindruckt von so viel Ernsthaftigkeit, Konzentration und Tiefgründigkeit in den Beiträgen der Jugendlichen. Und es bedankte sich für alle Vorbereitung und Mitgestaltung der beiden Lehrerinnen Frau Büter und Frau Manthey. In den Nachgesprächen auch mit Herrn Förster war nicht nur von Wiedersehen, sondern auch von dem Wunsch die Rede, die Zusammenarbeit fortzusetzen. a-img_5370

Bericht Workshop: Eine Litfasssäule für die Demokratie und gegen Antisemitismus

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”