Was spricht DAFÜR, GEGEN andere Menschen zu sein?

Präsentation von Schüler-Plakaten, Bernau, 24.11.2016

Der Projekttag, an dem der Workshop „Vorurteile abbauen – antisemitische Ressentiments bekämpfen“ stattfand, lag ein halbes Jahr zurück und damit im vorangegangenen Schuljahr. Die Schüler_innen hatten sich seinerzeit selbständig und freiwillig für ihre Teilnahme entschieden und waren nicht mehr in gleicher Anzahl erreichbar. Immerhin hatten sich dennoch einige Plakat-Künstler zusammengefunden, die nun ihre Arbeiten den Schülern einer 10. Klasse vorstellten. Der Vorteil lag darin, dass ein nicht vorbereitetes Schüler-Publikum mit Lernergebnissen des Workshops konfrontiert wurde und entsprechend unvoreingenommen reagieren konnte.p1010218
Gleich zu Beginn der Präsentation geriet die Vorstellung eines Plakates zu einem ausdrucksstarken Bekenntnis der vortragenden Jugendlichen gegenüber den gleichaltrigen Teilnehmern mit Worten wie:
„Wir wollen nicht nur Gedanken äußern, sondern auch Gesicht zeigen. Gegen Rassismus, gegen Nazis stehen wir auf mit unserer Vielfalt, mit Toleranz, aber auch mit Wut!“
Auf einem anderen Plakat war eine Karikatur zu sehen, die besonders hässlich stigmatisierte Juden zeigte, die dabei waren das Blut der eben geschlachteten Kinder aufzufangen, um daraus rituelles Brot zu backen. Auf die Frage des evangelischen Theologen Peter-M. Utasch, wann denn wohl dieses Bild entstanden sei, dachte eine Mehrzahl der Anwesenden an das Mittelalter, woraufhin die vorstellenden Schüler ihre Lernergebnisse aus dem Workshop widergeben konnten: Sie erzählten nun den anderen von stereotypen Hass-Bildern gegen Juden, wie sie seit Jahrhunderten bis in unsere Gegenwart Verbreitung finden.
Angesichts eines Fotos mit einem jungen Mann, der sich vor anderen ostentativ mit entsprechender Nazi-Symbolik präsentiert, stellte ein Schüler die Frage: „Was spricht eigentlich DAFÜR, GEGEN andere Menschen zu sein?“final
Das nun folgende Gespräch unter den Gleichaltrigen berührte jetzt Bereiche individueller Gefühle von Unsicherheit oder auch Angst vor Fremden. Diese Gefühle könnten in der Vorstellung Feindbilder schaffen, die selber wieder Ängste auslösen würden.
Auch ein gewisser Glaube an Verschwörungen könne ins Spiel kommen, bei dem böse Menschen oder Mächte vorgestellt werden, die sich im Geheimen gegen die Menschheit verbünden. Angesichts eines immer komplizierter werdenden Weltgeschehens käme man auf diesem Wege zu einfachen Antworten. Und man selber als der um die vermeintliche Verschwörung Wissende würde eine Art Aufwertung erfahren, weil man ja nun selber durch eigene Teilhabe an geheimnisvollen Vorgängen zu einer Gemeinschaft von Auserwählten gehören dürfe. Auf die Frage nach der Globalisierung oder der Finanzkrise reichten dann bereits Hinweise aus auf Amerikaner und Juden oder Namen wie Rothschild.
Erst in der zweiten Hälfte stellte sich das inter-religiöse Team den Schülern vor, die den vorausgegangenen Workshop nicht erlebt hatten. Dabei erzählten Levi Salomon, wie er bereits als jüdisches Kind eine Vielvölkergemeinschaft in Baku am Kaspischen Meer erlebt hat mit Freunden aus verschiedenen Religionen und Kulturen. Auch Ilker Duyan als muslimisches Team-Mitglied erinnerte sich, wie er vorzeiten in Istanbul als Heranwachsender mit gleichaltrigen Griechen, Juden und Armeniern Freundschaft gepflegt hat.
Levi Salomon erklärte den Schülern, dass es dem Team nicht nur um Antisemitismus ginge. Juden könnten auch wieder ihre Koffer packen und wegziehen. Was aber würde dann aus Deutschland werden? Antisemitismus bleibt auch, wenn keine Juden im Lande lebten. Dafür gäbe es genügend Beispiele. Und Antisemitismus schließt immer eine Abkehr von der Demokratie und aktive Bestreitung der Menschenrechte für andere Menschen oder Menschengruppen ein.p1010231 Ilker Duyan stimmte zu und erklärte: Irgendwo sind wir immer eine Minderheit.

Aber jedes Land ist so stark, wie er Minderheiten schützt.

Viel Beifall bekam Levi Salomon von allen Schülern als er an sie appellierte:

 

„DIE ZUKUNFT LIEGT IN EUREN HÄNDEN!“

 

 

 

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”