ZUKUNFT BRAUCHT ERINNERUNG

Plakat-Präsentation im Eckener-Gymnasium, Berlin-Mariendorf, 13.12.2016

Für das Team ist es zum geflügelten Wort geworden: Jede Präsentation von Schüler-Plakaten wie jeder Workshop verläuft anders als alle anderen zuvor.

img_4951Die Schüler_innen der 9. Klasse des Mariendorfer Eckener-Gymnasiums überraschten gleich zweifach. Zum einen verzichteten sie auf ein größeres Publikum, zu dem an anderen Schulen Mitschüler und Lehrer anderer Klassen gehörten, mitunter sogar Presseleute oder Regionalpolitiker. Zum anderen übernahmen die Jugendlichen weithin selber die Regie ihrer Präsentation. Und das sah so aus:
Anstatt vor der Präsentation alle Plakate aufzuhängen, um nach dem Gesamteindruck sich einzelnen Plakaten zuzuwenden, wurden die Plakate einzeln und nacheinander vorgestellt. Dazu stellten sich die zwei bis drei Jugendlichen neben das von ihnen selbst entworfene Plakat, erläuterten ihre Arbeitsschritte, dazu ihre Vorstellungen, wen sie mit welcher ihrer Botschaften erreichen wollten. Das aus den eigenen Klassenkameraden bestehende Publikum stellte Fragen, äußerte Reaktionen und erlaubte sich auch, den einen oder anderen Slogan aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und auch eigenständig zu beurteilen.  img_4888
Auf einem Plakat konnte man lesen: „ANTISEMITISMUS SETZT MENSCHENRECHTE AUSSER KRAFT.“  Ein Schüler fragte, ob denn der Antisemitismus wie ein Werkzeug funktioniere, mit dem man nicht nur die Rechte von Juden beeinträchtigen oder sogar aberkennen wolle, sondern auch die anderer Minderheiten. Ein Mädchen fragte, wie viele Schüler des Gymnasiums den Begriff „Antisemitismus“ überhaupt verstehen würden, worauf andere mit Schätzungen zwischen 10 und 50 Prozent aller Schüler antworteten.
Ein anderes Plakat trug die Überschrift: „Rassismus macht einsam.“ Und schon entstand ein lebendiges Gespräch unter den Schülern mit Fragen wie: Macht Rassismus auch die Rassisten selber einsam, denn die will doch keiner als Freunde haben? Die Antwort: Rassisten brauchen und suchen Gleichgesinnte, und die finden sie auch.
Andere Schüler hatten in einen großen und vielfarbigen Regenbogen den Slogan geschrieben: „Nazis raus!“ Aber wo soll man die denn hinbefördern, und was können sie dann an anderem Ort alles mit ihrer menschenfeindlichen Ideologie anstellen Ist es nicht besser und auch ungefährlicher, wenn man sie in der Nähe und unter Kontrolle behält? Dann fiel ein Satz wie: „Man kann nicht Leute diskriminieren, weil sie Leute diskriminieren.“ Wie aber kann man reagieren auf Menschen, die etwa aus eigenen Zukunftsängsten populistischen Rechtsparteien Glauben schenken?

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Auf mehreren Plakaten waren antijüdische Bilder zu sehen, wie sie stereotyp seit Jahrhunderten bis heute in Umlauf sind. Eine Karikatur aus einer nationalsozialistischen Hetzschrift hielten einige Schüler für ein Bild aus dem Mittelalter, obwohl ähnliche Hassbilder gegen Juden bis in die Gegenwart propagiert werden. So fanden es die meisten Schüler sehr aufschlussreich, die jahrhundertealten Wurzeln von Judenfeindschaft und anderer gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aufzudecken und darzustellen.
Ein Jugendlicher brachte sein eigenes Lernergebnis auf den Punkt: „Auch in heutiger Zeit werden vor allem Muslime von der Pegida und anderen Rechtspopulisten verachtet. Genauso wie Juden werden sie auf Vorurteile und Stereotype reduziert. Daran kann man sehen, wie wichtig der Slogan ist:

„ZUKUNFT BRAUCHT ERINNERUNG.“

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”