ein DOPPELPUNKT zum WEITERDENKEN

Präsentation der Schülerplakate in der Nelson-Mandela-Schule-Berlin

Nein, das war nicht das Ende unseres Workshops „Vorurteile abbauen- antisemitische Ressentiments bekämpfen“. Es war aber einer der Höhepunkte oder besser noch: Die Schüler_innen der 11. Jahrgangsstufe haben zusammen mit dem interreligiösen Team des Jüdischen Forums am 17. Februar 2017 einen Doppelpunkt gesetzt – ein DOPPELPUNKT zum WEITERDENKEN.

Zunächst aber sahen die Jugendlichen ein Video mit einem Interview, das ein etwa gleichaltriger Schüler mit einer Professorin von der TU Berlin geführt hat zum Thema: „Was überhaupt ist Antisemitismus?“ Frau Prof. Schwarz-Friesel sprach darin über die seit 2000 Jahren typischen Feindbilder gegen Juden und verwies auf Ergebnisse ihrer Forschung, wie dieselben uralten antisemitischen Stereotypen bis tief in das kulturelle Bewusstsein der Gegenwart hineinwirken und in Wohnzimmern wie auf öffentlichen Plätzen bis heute propagiert werden.Im Anschluss daran stellten die Jugendlichen ihre selbst gestalteten Plakate zu Themen wie Antisemitismus und Rassismus vor. Die Plakate sprachen nicht nur die gewünschte Toleranz zwischen den drei monotheistischen Weltreligionen an, sondern auch sexuelle Selbstbestimmung, die bunte und interessante Vielfalt eigener Lebensentfaltung sowie die Abwehr von doktrinären Ideologien wie Rechts- und Linksextremismus. Man war sich im Gespräch mit den ebenfalls anwesenden Schüler_innen der Nachbarklassen schnell einig in der Ablehnung jeglicher Form Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. 

Levi Salomon als Sprecher des Jüdischen Forums erläuterte den Anwesenden, dass Antisemitismus weniger ein Problem der betroffenen Juden sei und stattdessen das Zusammenleben aller Menschen gefährdet. Denn Antisemitismus setzt die Bereitschaft zu Abwertung und Ausgrenzung von Menschen und Menschengruppen voraus, die von einer Mehrheit als nicht zugehörig oder gar als feindlich empfunden und als solche stigmatisiert werden.  Dabei sind die Opfer austauschbar. Ein Schüler stellte die Befürchtung in den Raum: „Hoffentlich sind wir nicht die nächsten.“ Peter-M. Utasch als evangelischer Pfarrer fügte hinzu: „Wenn wir uns gegen Antisemitismus wenden, dann schützen wir damit nicht nur Juden, sondern wir tun auch etwas für uns alle. Allerdings auch für unsere freiheitlich demokratische Lebensform.“

Ein Schüler-Plakat zeigte die Symbole der drei monotheistischen Religionen und darüber ein Fragezeichen. Eine Schülerin, die das Plakat mitgestaltet hatte, stellte Intoleranz zwischen den Religionen in Frage und plädierte für das Verbindende zwischen Judentum, Christentum und Islam. Und mit den Farben des Regenbogens wollten die Plakatgestalter für eine freie und bunte Lebensgestaltung werben. Der evangelische Theologe wies darauf hin, dass der Regenbogen in der Hebräischen Bibel als  Friedensbund Gottes mit den Menschen verstanden wird. Ilker Duyan als muslimisches Team-Mitglied ergriff die Gelegenheit, erneut auf die historische und religiöse Verwandtschaft des Koran mit den vorausgegangenen religiösen Büchern des Judentums und des Christentums hinzuweisen.

Ein weiteres Plakat löste heftige Diskussionen aus. Darauf waren die bereits im Video angesprochenen antisemitischen Stereotypen zu sehen, auf denen Juden als Teufel dargestellt waren und Fotos von einer israelfeindlichen Demonstration, bei der Kinder den Staat Israel als Teufels-Karikatur auf den Asphalt malten. Ein Schüler ergriff leidenschaftlich Partei gegen den Staat Israel, dem er die Unterdrückung arabischer Bevölkerung vorwarf. Jetzt bemühten sich Teammitglieder und Lehrerin politische Beurteilungen des Staates Israel und antiisraelische Propaganda mit Rückgriff auf die seit Jahrhunderten bekannten antisemitischen Stereotypen auseinanderzuhalten.

Am Ende des Workshops wurde ein Video gezeigt mit einem Interview, in dem der Studienleiter der Evangelischen Akademie Dr. Staffa erzählte, wie führende Nationalsozialisten während der Nürnberger Prozesse sich unter Hinweis auf judenfeindliche Schriften Martin Luthers gegen den Vorwurf des millionenfachen Mordes an Juden verteidigten.

Das Team verließ die Schule unter dem Eindruck, zwar sehr aufgeschlossene und problemorientierte Schüler_innen erlebt zu haben. Aber gleichzeitig wurde erneut bewusst, dass so ein Workshop zum Thema Antisemitismus mit all seinen weiterführenden Fassetten keinen Abschluss der Gespräche darstellen kann, sondern eher einen erneuten Einstieg. So haben die vielseitigen und vertiefenden Gespräche zum Thema eher einen DOPPELPUNKT zum WEITERDENKEN und WEITERWIRKEN gesetzt.

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Bericht Workshop in der Nelson-Mandela-Schule – Oberschulcampus

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”