Workshop in der Nelson-Mandela-Schule – Oberschulcampus

Berlin-Wilmersdorf, Januar 2017

Das inter-kulturelle Team mit Levi Salomon als Sprecher des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA), Ilker Duyan, Vorstand des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg und mit Peter-Michael Utasch als evangelischer Pfarrer war im Januar 2017 mit seinem Workshop zum zweiten Mal in der Nelson-Mandela-Schule in Berlin-Wilmersdorf zu Gast.

Vorerst machten wir uns mit den Schüler_innen einer 11. Klasse bekannt, die sich zu unserem Workshop angemeldet hatten. Es waren wieder die Vornamen der Schüler und Teammitglieder, die so vieles erzählten über die Biografien der Beteiligten. Mehrere Jugendliche hatten mit ihren Familien bereits in verschiedenen Ländern gelebt. Auch unser Team bot aufgrund der unterschiedlichen Namen und Herkunftsländer – Deutschland, Russland und Türkei – eine beeindruckende Vielfalt.

„Mexikaner sind Verbrecher und Vergewaltiger.“ – „Juden sind gierig.“ – „Frauen sind dazu da, den Männern zu dienen.“ – „Alle Männer sind Schweine.“ Solche Vorurteile, wie man sie gelegentlich hören kann, haben Schüler_innen auf Zettel geschrieben, die dann anonymisiert vorgelesen wurden. Das Gespräch berührte auch positive Vorurteile, die Menschen für eine erste Orientierung benötigen. Vorurteile haben aber die Angewohnheit sich zu verfestigen besonders gegenüber Menschen, die einem fremd vorkommen und als nicht zugehörig empfunden werden.

Dann werden Menschen oder Menschengruppen häufig abgewertet oder gar aus einer Gemeinschaft, einer Familie, einer Religion oder einem Volk ausgeschlossen. Um solchen Erscheinungen zu begegnen, ist es erforderlich, Vorurteile als solche zu erkennen und zu überprüfen, um sich möglichst für neue Erfahrungen mit den betreffenden Menschen zu öffnen.

Im Verlauf des Workshops trugen die Jugendlichen eigene Erlebnisse bei. Sie einigten sich in drei Kleingruppen auf typische Szenen des Familienlebens, des Schulalltags und der Freizeit und führten die Szenen vor den anderen auf. Da outet sich ein homosexueller Sohn gegenüber Eltern, die ihn ablehnen, so dass er sich von seiner Familie trennt. In einer Schulsituation spielen die Jugendlichen auch die heimliche Lust an der Ausgrenzung Schwächerer vor. Oder ein Jugendlicher wird bei einer Einladung zu einer Party bewusst übergangen und ausgegrenzt.

Von Anfang an hat das aus der jüdischen Ursprungsreligion entstandene Christentum ein Problem mit seinem Selbstverständnis. Bereits im Neuen Testament der Christen erheben Autoren wie Paulus den Anspruch, die neue religiöse Gemeinschaft würde das „wahre Volk Israel“ verkörpern. Gleichzeitig müsste dem Judentum dieser ursprüngliche Würdetitel aberkannt werden. Und schon in so früher Zeit werden massive Vorwürfe gegen Juden erhoben. Gegen alle historischen Tatsachen wird behauptet, „die Juden“ hätten nicht nur den Menschen Jesus getötet, sondern auch den als Messias geglaubten Gottessohn und damit Gott selbst getötet. Unter Berufung auf ein Zitat aus dem Neuen Testament, das einen innerjüdischen Streit widerspiegelt, werden Juden als Kinder des Teufels bezeichnet.

Solche feindseligen Zuschreibungen gegenüber Juden erlangen mit Kaiser Konstantin den Rang einer Staatsdoktrin und geben die ideologischen Voraussetzungen für die massive Feindschaft gegenüber Juden seit der Zeit der Kreuzzüge.

Die Schüler_innen wurden bekannt gemacht mit judenfeindlichen Stereotypen, die bis in unsere Gegenwart Verbreitung finden. Während einer interaktiven Einheit wählten die Jugendlichen zwischen acht Bildern mit stereotypischen Darstellungen von Juden als Wucherer, Kindermörder, Brunnenvergifter, Hostienschänder usw. aus und entschieden welcher von vier vorgelegten Kategorien sie die Darstellungen zuordnen wollten. Sind die Feindbilder noch aktuell oder bereits abgeschlossen. Stellen sie lediglich Abwertungen dar oder sogar existentielle Bedrohungen bis hin zur Vernichtung im Holocaust.

Auf Entsetzen stießen Fotos von Demonstrationen, auf denen heute Muslime und deutsche Rechtspopulisten auf Straßen und Plätzen in Deutschland Transparente zeigten, auf denen Juden als Teufel oder Kindermörder dargestellt wurden.

Neben den Themen Antisemitismus und Rassismus wurden im 3. Teil des Workshops auch eigene Erfahrungen der Schüler_innen mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in zahlreichen Fassetten in den von ihnen selbst gestalteten Plakat-Collagen bearbeitet.

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Bericht: Präsentation der Schülerplakate in der Nelson-Mandela-Schule-Berlin

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”