Projekttag zum Holocaustgedenktag

Manfred-von-Ardenne-Schule, Berlin-Hohenschönhausen, Jan. 2017

Der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar wurde im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen zum Gedenken an den Holocaust und den 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau eingeführt. Die Manfred-von-Ardenne-Schule in Berlin-Hohenschönhausen veranstaltete aus diesem Anlass für ihre Schüler_innen einen besonderen Projekttag. Dazu war das Jüdische Forum mit seinem Modellprojekt „Vorurteile abbauen – antisemitische Ressentiments bekämpfen“ eingeladen.
Zuvor aber fand ein ausführliches Vorbereitungsgespräch in der Schule statt, in dem Frau Useli (Lehrerin) das beeindruckende Anliegen der Schule dem beteiligten Teammitglied Pfr. Utasch erläuterte. So konnten gegenseitige Ansprüche und Interessen zwischen Schule und dem interreligiösen Team des Jüdischen Forums vereinbart und in Übereinstimmung gebracht werden.
Zum Workshop hatten sich 20 Schüler_innen aus verschiedenen 9. Klassen eingetragen. Anders als in den Berliner Schulen von Moabit, Neukölln oder Kreuzberg, trafen wir im nordöstlichen Hohenschönhausen kaum auf muslimische Schüler, dafür aber auf Jugendliche mit vietnamesischem und russischem Hintergrund. Den meisten Schülern waren Themen wie Judentum oder Antisemitismus relativ fremd. Über Ausgrenzungserfahrungen von Minderheiten konnten aber fast alle berichten.
Zunächst stellte sich das interreligiöse Team mit Namen vor und offenbarte seine eigenen unterschiedlichen Herkunftskulturen. Levi Salomon ist als Jude in der Sowjetunion aufgewachsen und erzählte von seinen Erfahrungen und dass er im atheistischen Weltanschauungs-Staat auf Wunsch seiner Mutter aus Gründen des Selbstschutzes einen russischen Vornamen geführt hat anstelle seines jüdischen Namens Levi. Ilker Duyan erzählte, weshalb er vor einigen Jahrzehnten seine türkische Heimat verließ und Deutscher wurde. Die Jugendlichen nannten Vornamen wie Jonas mit der Bedeutung „friedliche Taube“ oder den vietnamesischen Namen Tuan mit der Bedeutung „friedlicher Herbst“. Wir hörten auch den russischen Namen Ansor oder den türkischen Namen Shamir. Alles Namen, die eine unterschiedliche Herkunftsgeschichte erahnen ließen.
Zum Thema Vorurteile nannten die Jugendlichen meist positive Zuschreibungen. Danach wären „alle Vietnamesen fleißig“, „alle Russen stark“ und „alle Juden extrem gebildet“.
Die negativen Zuschreibungen kamen aber sehr deutlich zur Sprache, als die Schüler Fotos in Händen hielten, die judenfeindliche Stereotype des Mittelalters zeigten. Da waren Juden als Kindermörder, Wucher-Juden oder Brunnenvergifter dargestellt. Aufmerksamkeit erweckte ein Foto von zwei Skulpturen, die heute noch als siegreiche „Ecclesia“ als Symbolfigur der Kirche und „Synagoga“ mit verbundenen Augen als Symbolgestalt für ein blindes und besiegtes Judentum am Eingang des Straßburger Münsters zu sehen sind. Damit sollte die jüdische Mutterreligion gegenüber dem Christentum abgewertet und die Kirche als fortschrittlicher und moralisch überlegen dargestellt werden.
Nicht alle Schüler hatten ausreichende Kenntnisse über die Zeit des Nationalsozialismus. Aber dass die meisten antijüdischen Feindbilder des Mittelalters in dieser Zeit einfach übernommen und dazu benutzt wurden, Juden mit derartig bedrohlichen Abwertungen nicht nur zu konfrontieren, sondern in den millionenfachen Tod zu treiben, konnten sich die meisten Jugendlichen kaum vorstellen.
Auch darum verglich Levi Salomon die dem Mord an Juden vorausgegangenen sozialen Ausgrenzungen mit der Vorstellung, dass ein ähnliches Schicksal auch in der Gegenwart Menschen oder Menschengruppen treffen kann, die als fremd, bedrohlich oder einfach als nicht zugehörig empfunden werden. Er selbst hatte vor Jahrzehnten als sogenannter Kontingentflüchtling aus der Sowjetunion erlebt, wie er in einer Unterkunft für Flüchtlinge zusammen mit Vietnamesen beschimpft und bedroht wurde.
Zuerst waren es Juden, heute werden auch Muslime oder Menschen, die sich nach Herkunft, Lebensweise oder einfach nur nach ihrem Aussehen von der Mehrheit unterscheiden, von Rechts- wie Linksradikalen herabgewürdigt und nach Möglichkeit ausgegrenzt.
Zum Abschluss gestalteten die Schüler_innen Collagen, in denen sie eigene Erfahrungen wie neue Lernergebnisse zu Themen wie Antisemitismus und Rassismus des dreiteiligen Workshops zum Ausdruck brachten.

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”