JFDA implementiert Multiplikatoren-Workshop bei LISUM-Tagung

Das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) hatte das Modellprojekt „VORURTEILE ABBAUEN – ANTISEMITISCHE RESSENTIMENTS BEKÄMPFEN“ des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) mit der Durchführung eines Workshops im Rahmen seiner Tagung für Schulteams zu Ganztagsangeboten beauftragt. So verteilten sich die teilnehmenden Brandenburger Lehrer_innen nach Eröffnung der Tagung am 07. Juni 2017 in Ludwigsfelde bei Berlin auf etwa 15 verschiedene Workshops zu den übergreifenden Themen Sprachbildung und Demokratiebildung.

Das JFDA war mit seinem Koordinator für Politische Bildung Carl Chung vertreten. Er wurde begleitet von Ilker Duyan (Vorstand, Türkischer Bund Berlin-Brandenburg) und Peter-M. Utasch als evangelischer Theologe, die das Modellprojekt „VORURTEILE ABBAUEN – ANTISEMITISCHE RESSENTIMENTS BEKÄMPFEN“ in einem interkulturellen Team zusammen mit Levi Salomon seit 2015 bereits an 20 Schulen erprobt und erfolgreich weiterentwickelt haben.

 

Am Beispiel der Friedenauer Gesamtschule wurde exemplarisch der Umgang mit antisemitischen Ereignissen reflektiert. Die Frage einer Lehrerin: „Muss ich Juden kennen, um Antisemitismus zu bearbeiten?“ wurde mit der Erfahrung beantwortet: Der Antisemitismus kommt ohne Juden aus (Stichwort „Antisemitismus ohne Juden“) und auch ohne religiöse Begründung. Voraussetzung dafür ist aber, dass andere Menschen oder Menschengruppen als bedrohlich empfunden werden. So befasste sich die kleine Gesprächsrunde dann u. a. mit Grundmustern der Stereotypisierung und Diskriminierung.

 

Behandelt wurden darüberhinaus unterschiedliche Erscheinungsformen von Antisemitismus – von seinen Wurzeln im christlichen Antijudaismus bis hin zum rassistischen Antisemitismus in Verbindung mit Verschwörungstheorien und zu weiteren judenfeindlichen Erscheinungsformen der Gegenwart wie Post-Shoa-Antisemitismus, strukturellem oder auch israelbezogenem Antisemitismus. Zudem wurde auf das Konzept der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ (nach Wilhelm Heitmeyer) und grundlegende Diskriminierungsmuster eingegangen, die sich als Haltungen nicht gegen Menschen als individuelle Personen, sondern aufgrund von tatsächlicher oder nur angenommener Gruppenzugehörigkeit gegen Menschengruppen richten: „Die Obdachlosen“, „die Juden“, „die Schwulen“. Dabei ist für die Demokratiebildung von Interesse, das Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nach Heitmeyer als ein Syndrom aufgefasst wird: Wer Menschen aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit (z. B. Muslime) ablehnt und diskriminiert neigt i. d. R. auch zur Diskriminierung von Menschen, die anderen Gruppen (Jüdinnen und Juden, Homosexuellen, „Fremden“ etc.) zugeordnet werden. Da es um das Grundmuster dieses „Syndroms“ geht, muss also nicht zwingend an einer bestimmten Gruppenfeindschaft angesetzt werden. Das Muster von „Wir versus Die“-Dichotomien, von Vorurteilen, Stereotypisierungen, Ausgrenzungen und Abwertungen nach (mutmaßlicher) Gruppenzugehörigkeit kann auch an jeweils eigenen Diskriminierungserfahrungen anknüpfen und mittels Perspektivwechseln bearbeiten, ohne eigene diskriminierende Haltungen quasi „frontal“ angehen zu müssen. So lässt sich etwa Rassismus insofern auch über die Auseinandersetzung z. B. mit Sexismus, Kulturalismus, religionsbezogenem oder sozialem Chauvinismus bearbeiten, wenn es um die Reflexion der Grundmuster Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit geht.

Als ein konkreter Ansatz zum Umgang etwa mit rechtsradikal eingestellten Jugendlichen wurde das von dem Sozialpädagogen Eckart Osborg entwickelte Konzept der „Subversiven Verunsicherungspädagogik“ vorgestellt. Dabei geht es darum, mit echtem Interesse an dem jungen Menschen eine neugierige Grundhaltung einzunehmen, in der verunsichernde (Nach-)Fragen gestellt werden können. So soll die Macht der Frage genutzt werden, um die Jugendlichen z.B. mit Widersprüchen zwischen ihrer Ideologie und ihrem eigenen Verhalten oder zwischen unterschiedlichen Gruppierungen der rechten Szene zu konfrontieren.

 

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”