„Was ist Demokratie?“ – Plakatausstellung und Diskussion in Halle (Saale)

 

Am 6. September 2017 wurden feierlich die von Schüler_innen der Klassenstufe 11 gestalteten Plakate der Lernwerkstatt mit dem Titel: VORURTEILE ABBAUEN – ANTISEMITISCHE RESSENTIMENTS BEKÄMPFEN in der Aula der Integrierten Gesamtschule Halle an der Saale vor großen Publikum präsentiert.

Zu Anfang begrüßte die Stellvertretende Schulleiterin Claudia Ortlieb das anwesende interkulturelle und interreligiöse Team des Berliner Jüdischen Forums mit Levi Salomon, Peter-M. Utasch, Max Bursche und Ilker Duyan sowie die zahlreich erschienenen Schüler_innen und Lehrer_innen aus mehreren Klassen.

Anschließend begann Levi Salomon mit einer allgemeinen Einführung über den Antisemitismus für die anwesenden Schüler_innen, welche nicht an den Workshops teilgenommen haben.

Mit der Frage an die Schüler_innen: ,,Was wollen wir eigentlich? Was ist Demokratie?‘‘, begann Levi Salomon einen spannenden Diskurs mit den Schüler_innen.

Ein Schüler und eine Schülerin sagten: ,,Es ist wichtig, dass es fair zugeht. Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit sind uns wichtig in einer Demokratie, in der wir leben wollen.‘‘

Genau für solche Aussagen und Werte gründete Levi Salomon das JFDA im Jahr 2008 mit und arbeitet seitdem in diesem für die Stärkung unseres demokratischen Staatswesens zum Schutz der Menschenrechte und des Grundgesetzes. Damit steht das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA e.V.) auch mit seinem Namen. Denn so Levi Salomon: ,,Die Welt ist bunt, sie ist nicht einfarbig, aber „Einfarbige“ versuchen, unsere schöne Welt kaputt zu machen.‘‘

Eine Schülerin äußerte sich zu dem seit 2000 Jahren weitverbreiteten Vorwurf, dass die Juden an Jesus Tod schuld sind wie folgt: ,,Jesus war ja selber Jude. Und nicht die Juden, sondern die Römer haben ihn hingerichtet.‘‘

 

Nach dieser Einleitung begannen die Jugendlichen ihre in einem Workshop vor den Ferien selbst entworfenen Plakate vorzustellen.

Zwei Schüler sagten über Ihr Plakat: ,,Wir haben hier die Symbole von vier Religionen auf jeder Ecke des Plakats aufgezeichnet — Judentum, Christentum, Islam und Buddhismus — und dann haben wir jeweils ein paar Vorurteile dazu aufgeschrieben und dann durchgestrichen, um zu verdeutlichen, dass sie nicht zutreffen.  Zum Schluss haben wir noch den zentralen Satz in die Mitte geschrieben „Glaub nicht alles, was du hörst, und hinterfrage Vorurteile!‘‘

Eine andere Gruppe hatte ihr Plakat eher minimalistisch gehalten: ,,Das „BOOM-BAANG“ auf unserem Plakat, soll für den Streit zwischen zwei Religionen stehen. Das „Nie wieder!“ soll zeigen, dass wir Zoff zwischen Religionen nie wieder haben wollen.  Jeder hat das Recht zu existieren und so zu leben und zu glauben, wie er will – solange das Leben anderer Menschen dadurch nicht eingeschränkt oder gar verletzt wird.‘‘

Das Thema Vorurteile fand sich auf fast allen Gruppenplakaten als zentrales Thema wieder:

Eine Schülermeinung: ,,Wir haben hier den stereotypischen Juden gezeichnet und dann verschiedene vorurteilbehaftete Sprüche auf das Plakat geschrieben. Um diesen Vorurteilen entgegenzuwirken, haben wir dann den zentralen Satz „Glaubt nicht alles was ihr hört“ auf das Plakat gesetzt.‘‘

Und eine andere: ,,Wir haben Vorurteile aufgeschrieben und sie dann durchgestrichen, weil wir sagen: „Lasst Vorurteile nicht in eure Köpfe“ – Man soll sich ein eigenes Urteil bilden, man soll hinschauen und mit offenen Augen durch die Welt gehen. Man soll offen auf andere Menschen zugehen, damit man sich auch ein eigenes Urteil bilden kann.‘‘

Nach der Plakatvorstellung durch die mitwirkenden Schüler_innen begannen wir mit einer Podiumsdiskussion zu dem Leitthema VORURTEILE ABBAUEN – ANTISEMITISCHE RESSENTIMENTS BEKÄMPFEN. Es ging um Fragen wie: ,,Welche Vorurteile kennt ihr, was habt ihr selber schon erfahren, und was kann man gegen Vorurteile tun?‘‘

Ein Schüler äußerte sich in der Runde wie folgt: ,,Vorurteile existieren bei jedem Menschen, und wir können etwas dagegen tun, sie zu minimieren, aber wir werden sie nie ganz loswerden. Wir sollten mit den Menschen sprechen, über welche wir Vorurteile haben, um unsere eigenen prüfen und abbauen zu können.‘‘

Eine Schülerin nutze diese Gesprächsrunde, um ganz offen über die Vorurteile ihrer Eltern gegenüber Ausländern und Flüchtlingen zu sprechen. Sie sagte, dass Sie versucht, etwas dagegen zu tun, indem Sie mit ihren Eltern über deren Vorurteile redet. Doch diese würden leider meistens bei Ihren negativen Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen verharren.

Eine andere Schülerin sagte zum Schluss der Diskussion, dass die ganzen Vorurteile und negativen Meinungen zu den Flüchtlingen aus der Angst um die eigene Lebenssituation herrühren und dass man diese Angst den Menschen nur nehmen kann, indem man ihre gesellschaftliche und soziale Lage verbessert. Denn ihre negativen Einstellungen gegenüber den Flüchtlingen kommen vorwiegend nur von der eigenen Beurteilung ihrer persönlichen schlechten sozialen und wirtschaftlichen Lage.

Zum Schluss bedankt sich das Team bei der Stellvertretende Schulleiterin Claudia Ortlieb und den  Schüler_innen.

An dieser Stelle richtet Max Bursche (Teammitglied des JFDA) sein Wort an die fast 70 versammelten Teilnehmer: „Unsere Demokratie ist nicht selbstverständlich. Um sie zu erhalten, müssen wir ständig für sie kämpfen. Seid aktiv, so wie ihr es heute bei unser Podiumsdiskussion wart!‘‘ – Viel Beifall!

 

 

Die Stellvertretende Schulleiterin Claudia Ortlieb zeigte sich mit dem Nachmittag zufrieden: „Das war eine sehr interessante Diskussion, die mit den jugendlichen Schülern hier geführt worden ist.“

 

 

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”