Judenhass – Nicht nur ein Religionskonflikt. Lernwerkstatt am Evangelischen Gymnasium Potsdam Hermannswerder (26.04./03.05.2018)

Den Ausgangspunkt der Auseinandersetzung mit dem aus dem Christentum stammenden Motiv der Verteufelung der Juden bildete für die Schüler*innen die Beschäftigung mit dem eigenen Bezug zu Religion. Dabei wurde unterschieden, dass Religion neben der persönlichen, glaubensbezogenen Dimension auch gruppenbezogene Aspekte umfasst. Sie ist potentiell Gegenstand von Identitätsbildungs-, wie auch Ab- und Ausgrenzungsprozessen.

Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkt das Verhältnis des frühen Christentums zum Judentum näher, so lässt sich erkennen, dass sich Vorwürfe wie der „Gottesmord“, also die angebliche
Verantwortung der Juden am Tode Christi, nicht allein aus unterschiedlichen Glaubenssätzen ergeben. Vielmehr deutet die Tatsache, dass bereits die „christliche“ Judenfeindschaft auch in politischen und identitätsbezogenen Auseinandersetzungen begründet ist, darauf hin, dass auch die heutige „Dämonisierung“ der Juden nicht vorrangig religiös motiviert sein muss. Selbst dann, wenn es sich in der Selbstwahrnehmung derjenigen, die daran mitwirken, so darstellt.

Wie das Projektteam darzustellen versuchte, ist Verteufelung nicht nur von Juden und Judentum, sondern auch anderer religiöser, nationaler, sozialer oder politischer Gruppen in ihren Konsequenzen nicht mit den Ansprüchen des freiheitlich-demokratischen Zusammenlebens vereinbar. Wer die Motive von Einzelnen oder Gruppen als grundsätzlich bösartig darstellt, behauptet damit, dass deren Unterdrückung unumgänglich, eine Verständigung oder Abwägung gegenseitiger Interessen ausgeschlossen sei.

Abschließend stellten die Schüler*innen ihre Haltung zu Dämonisierung und Antisemitismus sowie ihre Vorstellungen erfolgreichen Zusammenlebens auf Basis von Grund- und Menschenrechten dar.

 

Ausstellung am 10. September 2018

Im Rahmen einer von ihnen selbst organisierten Andacht in der Inselkirche der Hoffbauer-Stiftung stellten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10c ihre Arbeitsergebnisse den weiteren zehnten Klassen vor.

Dabei stellten sie ihre Vorstellungen erfolgreichen gesellschaftlichen Zusammenlebens dar, die vor allem durch Achtung der Freiheitsrechte jedes einzelnen und den Grundsatz der Gleichberechtigung geprägt sind. Hervorgehoben wurden dabei die Bereitschaft zur kritischen Auseinandersetzung mit den eigenen Ansichten und denen anderer. Auch das Spannungsverhältnis von Einzigartigkeit eines jeden Menschen und der gleichzeitigen Notwendigkeit eines solidarischen gesellschaftlichen Zusammenhalts wurde thematisiert. Die Schülerinnen und Schüler nannten außerdem den Aspekt der Bildung, der für sie nicht nur das schulische Lernen, sondern vor allem auch Erfahrung im Austausch mit unterschiedlichen Menschen und deren Lebenswelt umfasst.

Angesichts aktueller durch (antisemitische) Vorurteile motivierter Vorfälle wie Beleidigungen oder Angriffe auf Menschen, forderten die Schülerinnen und Schüler ein couragiertes Eintreten für die Anerkennung von Diversität und Veränderung.

 

(Foto: Me – CC BY-SA 3.0)

Unterstützende
CC-by-sa-3.0 de Gerd Seidel

Roderich Kiesewetter, MdB CDU

"Antisemitismus ist Ausdruck einer rückständigen Kultur und inhumanen Denkweise. Ebenso wie zahlreiche weitere Ausformungen des Rassismus darf auch er keinen Platz in unserem Alltag finden. Antisemitismus ist nicht mit unserer ...

Foto: (CC) Stephan Roehl

Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen

“Es ist deshalb demokratische Pflicht, jedem Erscheinen von Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten.”

Foto: © Gitta Connemann (CDU-Fraktion)

Gitta Connemann, MdB CDU / Fraktionsvize

“Wer der Demokratie dient, bekämpft Antisemitismus.“

Foto: (CC) Gegenbauer Holding SE & Co. KG

Werner Gegenbauer, Präsident Hertha BSC

“Es ist und wird Hertha BSC immer ein Anliegen sein, gegen Diskriminierung jeder Art einzutreten! Denn Toleranz, Fairness, Respekt und Hilfsbereitschaft sind uns wichtig.”

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

“Eine tolerante und vielfältige Stadt der Vielfalt kommt nicht von selbst. Man muss sich immer wieder dafür stark machen. Mit den Mitteln des Rechtsstaates ebenso wie mit Dialog und Begegnung, ...

Foto: (CC) Petra Pau

Petra Pau, MdB DIE LINKE, Bundestags-Vizepräsidentin

“Ich schäme mich, dass das nötig ist, und ich bin dabei, weil es nötig ist.”

Foto: © Regina Schmeken, Berlin

Prof. Dr. Peter Raue, Jurist, Sammler und Kunstliebhaber

“Nur ein freiheitlicher Rechtsstaat kann Antisemitismusbekämpfung - wie jeden Kampf gegen Rassismus - zu einer tragenden Säule seiner Existenz glaubwürdig erklären.“

Foto: (CC) Patrick Gutsche

Dr. Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast Berlin

"Was ich (...) an unterschwelligem und offensichtlichem Judenhass, Stereotypen und Antizionismus gesehen, gelesen und gehört habe (...), ist beschämend und in seinen Ausdrucksformen beängstigend."

Foto: © Monika Schwarz-Friesel

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

“Das JFDA verdient eine breite gesellschaftliche Unterstützung.”

Foto: (CC) Michael Thaidigsmann

Dr. h.c. Friede Springer, Verlegerin

“Ein großes Bündnis der Vernunft und des Anstandes ist notwendig, um dem Judenhass zu begegnen. Das JFDA kann dabei eine wichtige Stimme sein.”